{"id":568,"date":"2013-02-03T11:27:33","date_gmt":"2013-02-03T10:27:33","guid":{"rendered":"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=568"},"modified":"2013-02-13T22:06:12","modified_gmt":"2013-02-13T21:06:12","slug":"das-modell-von-maja-storch","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/iml2\/verwandte-modelle\/das-modell-von-maja-storch\/","title":{"rendered":"Das Modell von Maja Storch"},"content":{"rendered":"<div>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" style=\"border: 0px none;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/typo\/fileadmin\/bilder\/zusatz_buch\/Modell_Storch.JPG\" border=\"0\" \/><\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">Figur 1: Wissensarten und Lernwege bei Storch<br \/>\n(Wurm und Gehirn mit freundlicher Genehmigung von Maja Storch)<\/p>\n<p>Quelle: Storch, M. (2010). Machen Sie doch, was Sie wollen! Wie ein Strudelwurm den Weg zu Zufriedenheit und Freiheit zeigt. <em>Bern: Hans Huber<\/em>.<\/p>\n<p>Maja Storch nutzt ihr Modell, um Personen zu helfen, \u201ewurmgerecht\u201c zu leben. Der Wurm steht f\u00fcr stark emotional gepr\u00e4gte Reaktionen auf neue Situationen oder Gedanken an solche Situationen. Diese Reaktionen basieren auf Erfahrungen mit \u00e4hnlichen Situationen in der Vergangenheit. Besteht keine M\u00f6glichkeit oder kein Anlass nachzudenken, setzt sich die Wurmreaktion durch. Sonst kann auch der Verstand das Verhalten bestimmen. Nicht \u201ewurmgerecht\u201c ist, wenn der Verstand st\u00e4ndig Verhalten w\u00e4hlt, das beim Wurm stark negative Emotionen hervorruft (Wurm w\u00fcrgen). Wurmgerechter ist es, wenn der Verstand Verhaltensalternativen generiert \u2013 unter Umst\u00e4nden mit Hilfe der Umwelt (Ideenkorb) \u2013 auf die der Wurm positiv reagiert.<\/p>\n<p>Da dies nicht immer m\u00f6glich bzw. sinnvoll ist, kann der Verstand entweder kurzfristig den Wurm \u201ew\u00fcrgen\u201c oder l\u00e4ngerfristig den Wurm in die Wurmschule schicken. \u201eWurmschule\u201c heisst, dem Wurm neue Erfahrungen erm\u00f6glichen. Abzuwarten, bis der Wurm neue Erfahrungen gemacht hat, kann auch sinnvoll sein, wenn der Wurm zu einem Bereich noch keine ausreichenden Erfahrungen hat und entsprechend kein klares Wurmsignal sendet (abwarten und Wurmtee trinken).<\/p>\n<p>Die Korrespondenz zwischen dem Modell und dem IML ist leicht herzustellen. Der Wurm entspricht dem situativen Wissen (oder besser dem \u201esituativen System\u201c, d.h. den Erinnerungen samt der Art, wie sie gebraucht werden und sich durchsetzen), das auf Erfahrungen basiert. Der Verstand entspricht dem deklarativen Wissen bzw. dem \u201edeklarativen System\u201c. Eine M\u00f6glichkeit, dieses Wissen anzureichern, besteht darin, andere Personen um Ideen zu bitten (Ideenkorb). Eine direkte Korrespondenz besteht auch zwischen \u201eWurmsignal \u00fcbersetzen\u201c und dem \u201eBeschreiben\u201c im IML. In beiden F\u00e4llen geht es darum, situatives Wissen\/Wurmsignale deklarativ zu fassen. Und zu Letzt ist das \u201ePlanen\u201c im IML eine Umschreibung dessen, was in der Wurmschule geschieht: Es werden unter Anleitung des deklarativen Wissen\/des Verstandes neue Erfahrungen gesammelt.<\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" style=\"border: 0px none;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/typo\/fileadmin\/bilder\/zusatz_buch\/Modell_Storch_und_IML.JPG\" border=\"0\" \/><\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">Figur 2: Das Modell von Storch hinterlegt mit dem IML<\/p>\n<p>In der Struktur gibt es kaum Unterschiede zwischen den Modellen (ausser dass Maja Storch an einer eher nebens\u00e4chlichen Stelle sensomotorisches Wissen zum Wurm rechnet; S. 111). Die Unterschiede liegen darin, dass die beiden Modelle unterschiedliche Aspekte derselben Vorg\u00e4nge hervorheben:<\/p>\n<p><strong>Emotion vs. Kognition<\/strong>: Das IML befasst sich im Wesentlichen mit den kognitiven Aspekten, auch wenn ich immer betont habe, dass ein wesentlicher Teil des situativen Wissens die Emotionen darstellen, welche mit den Erinnerungen verbunden sind. Bei Maja Storch stehen hingegen die Emotionen im Zentrum. Es geht um die Frage, wie man mit diesen Emotionen \u201ezusammenleben\u201c und sie allenfalls ver\u00e4ndern kann. Das IML betont, dass man oft gar nicht anders handeln kann, als es das situative Wissen\/der Wurm vorgibt, weil kein anderes Modell zur Verf\u00fcgung steht \u2013 und das unter Umst\u00e4nden trotz negativen Emotionen. Maja Storch hebt hervor, dass man nicht anders handeln will\/soll, als es der Wurm\/das situative Wissen vorgibt, weil das Handeln gegen die damit verbundenen Emotionen l\u00e4ngerfristig sch\u00e4dlich ist.<\/p>\n<p><strong>Wurmschule vs. Wurmalltag:<\/strong> Das IML wurde vor allem f\u00fcr F\u00e4lle entwickelt, in denen f\u00fcr bestimmte Situationen kein geeignetes situatives Wissen abgerufen werden kann und in denen keine starken Abneigungen bestehen, sich diesen Situationen auszusetzen. Es ist naheliegend, in diesen F\u00e4llen einerseits das vorhandene situative Wissen auf eventuell durch brauchbare Erinnerungen abzuklopfen (Strukturieren, Reflektieren: \u201etheoriegeleitete Wurmschule\u201c, im Modell von Maja Storch nicht enthalten), anderseits neue, n\u00fctzliche Erfahrungen zu sammeln (\u201epraktische Wurmschule\u201c im Sinne von Maja Storch).<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber geht Maja Storch eher von F\u00e4llen aus, in denen f\u00fcr eine bestimmte Situation sowohl situatives Wissen\/Wurmreaktionen wie deklaratives Wissen bestehen und diese beiden Wissensquellen irgendwie ihr Zusammenleben\/Zusammenwirken organisieren m\u00fcssen. Da es oft schneller geht, mit dem Verstand neue Varianten zu entwerfen als wesentliche neue Erfahrungen zu sammeln, wird der Verstand auf die Suche nach wurmvertr\u00e4glichen L\u00f6sungen geschickt (\u201eVerstandesschule\u201c?).<\/p>\n<p><strong>Entscheiden vs. Steuern:<\/strong> Im Modell von Maja Storch stehen relativ grobk\u00f6rnige Entscheidungen im Zentrum (\u201eSoll ich in die Stadt ziehen oder nicht?\u201c). Diese werden dann im laufe des Prozesses etwas feiner aufgel\u00f6st (\u201eIn die Stadt ziehen und gleichzeitig ein Zimmer mit Blick auf die Berge behalten.\u201c), die eigentliche Umsetzung der Entscheidung und die dabei notwendigen vielen kleinen weiteren Entscheidungen (\u201eWie arrangiere ich mich mit den neuen Bewohnern des Hauses?\u201c etc.) werden nicht mehr thematisiert.<\/p>\n<p>Im IML dagegen stehen tendenziell weniger die grossen Entscheidungen im Fokus (die Lehrperson hat sich entschieden, dass sie den Unterricht vermehrt differenziert gestalten will, so dass Starke und Schwache gleich gut zum Zuge kommen). Zentral sind viel mehr die vielen hundert kleinen Entscheidungen, die unter Druck w\u00e4hrend des Unterrichts st\u00e4ndig getroffen werden m\u00fcssen, damit die \u201egrosse Entscheidung\u201c \u00fcberhaupt wirksam wird.<\/p>\n<p><strong>Wurm als Leitinstanz vs. Verstand als Leitinstanz:<\/strong> Maja Storch geht davon aus, dass es l\u00e4ngerfristig keine gute Idee ist, den Wurm zu w\u00fcrgen. Entsprechend zeigt sie Weg auf, wie der Verstand den Wurm in eine R\u00fcckmeldeschleife einbinden kann, um wurmvertr\u00e4gliche Verhaltensm\u00f6glichkeiten zu generieren (Wurm befragen, Wurmsignal \u00fcbersetzen, Wurmbilanz, Wurmlog). Der Wurm fungiert hier als Fixpunkt, der Verstand passt sich an \u2013 auch wenn klar ist, dass es Momente gibt, in denen das nicht sinnvoll ist, und der Wurm in die Schule muss.<\/p>\n<p>Das IML geht davon aus, dass Handeln auf Grund von Erfahrungen, auf Grund von situativem Wissen an sich noch kein Qualit\u00e4tsmerkmal ist. Man kann aus purer Gewohnheit immer wieder denselben Unsinn machen. Daher ist es wichtig, dass Erfahrungen bewertet werden, bewertet auf einer Skala zwischen \u201enie mehr wiederholen\u201c und \u201eauf jeden Fall wieder \u00e4hnlich machen\u201c. Als Bewertungsinstanz bieten sich geeignet deklarative Konzepte und Theorien an. Ausgehend vom situativen Wissen\/dem Wurm wird das deklarative Wissen\/der Verstand in eine R\u00fcckmeldeschleife eingebunden, um die Erfahrungen zu bewerten (Reflexionsbogen: Beschreiben, Bewerten). Der Verstand fungiert hier als Fixpunkt \u2013 auch wenn klar ist, dass es Momente geben kann, wo es gute Gr\u00fcnde gibt, von einem Konzept situationsgerecht abzuweichen.<\/p>\n<p>In beiden Modellen sind beide R\u00fcckmeldeschleifen angedeutet, aber jeweils nur eine davon wirklich ausgearbeitet. Es d\u00fcrfte spannend sein, die Schleife deklarativ \u2013 situativ \u2013 deklarativ ins IML explizit aufzunehmen und dort auszuarbeiten. <em>(Sie hat unterdessen im IML2 eine vorl\u00e4ufige Aufnahme als <a title=\"Wissen gebrauchen\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=469\">Simulieren<\/a> gefunden)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Figur 1: Wissensarten und Lernwege bei Storch (Wurm und Gehirn mit freundlicher Genehmigung von Maja Storch) Quelle: Storch, M. (2010). Machen Sie doch, was Sie wollen! Wie ein Strudelwurm den Weg zu Zufriedenheit und Freiheit zeigt. Bern: Hans Huber. 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