{"id":561,"date":"2013-02-03T11:19:07","date_gmt":"2013-02-03T10:19:07","guid":{"rendered":"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=561"},"modified":"2013-02-13T17:29:50","modified_gmt":"2013-02-13T16:29:50","slug":"das-modell-der-gruppe-um-sternberg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/iml2\/verwandte-modelle\/das-modell-der-gruppe-um-sternberg\/","title":{"rendered":"Das Modell der Gruppe um Sternberg"},"content":{"rendered":"<div>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" style=\"border: 0px none;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/typo\/fileadmin\/bilder\/zusatz_buch\/Strernberg_original.GIF\" border=\"0\" \/><\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: center;\">Figur 1. Das Modell der Gruppe um Sternberg in Originalform<\/p>\n<p>Quelle: Sternberg, R. J., Forsythe, G. B., Hedlund, J., Horvath, J. A., Wagner, R. K., Williams, W. M., et al. (2000). <em>Practical intelligence in everyday life<\/em>. New York: Cambridge University Press, S. 114<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Ziel der Gruppe um Sternberg ist ein Modell, eine Theorie des impliziten Wissens (tacit knowledge). Ihre Hauptannahmen sind, dass sie drei Arten von Wissen\/Ged\u00e4chtnis unterschieden lassen (episodisch, prozedural und semantisch) und dass sie das prozedurale Wissen mit dem impliziten Wissen identifizieren.<\/p>\n<p>In gewissen Punkten ist eine Korrespondenz zwischen ihrem Modell und dem IML leicht herzustellen. \u201eEpisodic memory\u201c und \u201esematic memory\u201c entsprechen exakt den zwei Wissensarten \u201esituativ\u201c und \u201edeklarativ\u201c. Beim episodischen Ged\u00e4chtnis ist die Entsprechung offensichtlich, da dessen Inhalt die Erinnerung an erlebte Episoden\/Situationen ist. Ebenfalls beim semantischen Ged\u00e4chtnis, welches Fakten und Konzepte aufnimmt.<\/p>\n<p>Beim prozeduralen Ged\u00e4chtnis ist die Entsprechung weniger direkt. Das Modell nimmt an, dass es sich bei den Inhalten von der Form her um Wenn-Dann-Regeln handelt. Diese k\u00f6nnen entweder explizit und bewusst zug\u00e4nglich sein, oder nur implizit (tacit) und damit kaum bewusstseinsf\u00e4hig vorliegen. Der zweite Fall deckt sich in etwa mit dem prozeduralen Wissen aus dem IML. Beim ersten Fall w\u00fcrde aber im Rahmen des IML von deklarativem Wissen gesprochen. D.h. das \u201eprocedural memory\u201c umfasst beim IML zwei verschiedene Arten, wie Wenn-Dann-Regeln gewusst werden k\u00f6nnen (vgl. Figur 2).<\/p>\n<p>Die Bezeichnung \u201ememory\u201c an Stelle von \u201eWissen\u201c wie im IML ist kein wirklicher Unterschied. In beiden F\u00e4llen wird betont, dass es sich um verschiedene Mengen von Wissen handelt, welche aufgrund des Formats des Wissens gegeneinander abgrenzbar sind. Mit \u201ememory\u201c wird lediglich mehr die Menge, der Container betont, mit \u201eWissen\u201c mehr die Elemente dieser Mengen, der Inhalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die beiden Eing\u00e4nge ins System (personal experience, received knowledge) entsprechen im IML den Eing\u00e4ngen \u201eErfahrung\u201c und \u201eInstruktion\u201c und so lassen sich auch in beiden Modellen einige Pfade identifizieren, welche zur Deckung gebracht werden k\u00f6nnen. A entspricht \u201eErfahrungen Sammeln\u201c, B und C<sub>2<\/sub> korrespondiert mit \u201eVerstehen\u201c (C<sub>2<\/sub> f\u00fcr ganz spezifische Inhalte) und A<sub>2<\/sub> kann mit \u201eBeschreiben\/Abstrahieren\u201c identifiziert werden. Ebenso entsprechen die drei Ausg\u00e4nge A,B,C der Annahme im IML, dass Handeln je nachdem sowohl von situativem, wie deklarativem bzw. prozeduralem Wissen geleitet sein kann. C<sub>3<\/sub> schliesslich l\u00e4sst sich als ganz spezifische Form des \u201eDurcharbeitens\u201c identifizieren: Abstrahieren allgemeiner Regeln\/Gesetzm\u00e4ssigkeiten aus spezifischen Regeln. <img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" style=\"border: 0px none;\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/typo\/fileadmin\/bilder\/zusatz_buch\/Strenberg_ueber_IML.GIF\" border=\"0\" \/><\/p>\n<div>\n<div>\n<p style=\"text-align: center;\">Figur 2: Das Modell der Gruppe um Sternberg \u00fcber das IML gelegt<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Ein Analog zum sensomotorischen Wissen des IML findet sich im Modell der Gruppe um Sternberg hingegen nicht. Sensomotorisches Wissen, wie etwa \u201elearned skills, such as driving a car\u201c (s. 113), wird unter \u201eprocedural memory\u201c eingeschlossen. Diese fehlende Differenzierung k\u00f6nnte einfach darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, dass sich die Gruppe sehr stark mit dem Thema \u201eLeadership\u201c bzw. dem dabei wirksamen impliziten Wissen befasst hat und dabei solche skills keine grosse Rolle spielen, zumal doch recht offensichtlich ist, dass sich z.B. ein Fahrrad nicht mit komplexen Wenn-Dann-Regeln im Gleichgewicht halten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Interessanter sind die Unterschiede zwischen den beiden Modellen bez\u00fcglich der verschiedenen vorhandenen Wege. Im Modell der Gruppe um Sternberg weist zwei Wege auf, die so im IML direkt nicht vorgesehen sind:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00a0<strong>A<sub>1<\/sub>:<\/strong> Auf den ersten Blick sieht das IML diesen \u00dcbergang von semantic memory\/situatives Wissen zum prozeduralen memory\/Wissen nicht vor. Es geht davon aus, dass prozedurales Wissen durch Prozeduralisieren von deklarativem Wissen entsteht. Diese Darstellung im IML als direkter Pfeil vom deklarativem zum prozeduralem Wissen ist aber nur eine verk\u00fcrzte Darstellung. Prozeduralisieren geschieht dadurch, dass aufgrund des vorhandenen (deklarativen) Wissens Aufgaben gel\u00f6st werden und dass die dabei gefundenen L\u00f6sungswege sich in der Form von Wenn-Dann-Regeln im prozeduralen Wissen niederschlagen. Genau genommen basiert das Prozeduralisieren nicht direkt auf dem deklarativen Wissen, sondern auf den Erfahrungen, welche beim Anwenden dieses Wissens gemacht werden. \u201eProzeduralisieren\u201c im IML ist also eine abgek\u00fcrzte Darstellung f\u00fcr \u201eHandeln aufgrund von deklarativem Wissen\u201c -&gt; \u201eErfahrung Sammeln\u201c -&gt; \u201eRegeln bilden\u201c (analog wie \u201eExtensionalisieren\u201c f\u00fcr \u201eHandeln aufgrund von deklarativem Wissen\u201c -&gt; \u201eErfahrungen sammeln\u201c steht). A<sub>1<\/sub> entspricht also dem im IML nicht explizit dargestellten Schritt \u201eRegeln bilden\u201c.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Dies impliziert nat\u00fcrlich auch, dass es, entgegen der Darstellung im IML, m\u00f6glich ist, prozedurales Wissen aus beliebigen Erfahrungen zu bilden \u2013 egal ob sie beim Versuch, entstanden sind, deklaratives Wissen anzuwenden, oder ob sie einen anderen Anlass haben.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>C<sub>1<\/sub>:<\/strong> Es existiert im IML auch kein Weg, der direkt von personal experience\/Erfahrungen zum prozeduralen memory\/Wissen f\u00fchrt. Hier wird im IML angenommen, dass immer zuerst situatives Wissen entsteht, welches dann weiterverarbeitet wird. Dies scheint mir nach wie vor plausibel, denn der Abstraktionsprozess des \u201eRegeln bilden\u201c kann sinnvoll nur einsetzen, wenn mehrere vergleichbare Erfahrungen vorliegen, was eine \u201eZwischenspeicherung\u201c dieser Erfahrungen als situatives\/episodisches Wissen voraussetzt.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Figur 1. Das Modell der Gruppe um Sternberg in Originalform Quelle: Sternberg, R. J., Forsythe, G. B., Hedlund, J., Horvath, J. A., Wagner, R. K., Williams, W. M., et al. (2000). Practical intelligence in everyday life. 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