{"id":5360,"date":"2023-07-21T06:49:52","date_gmt":"2023-07-21T05:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=5360"},"modified":"2023-08-07T09:31:17","modified_gmt":"2023-08-07T08:31:17","slug":"wissenschaftlerinnen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/wissenschaftlerinnen\/","title":{"rendered":"Wissenschaftler:innen"},"content":{"rendered":"<p>Wissenschaftler:innen sind Expert:innen. Jede und jeder von ihnen hat intensiv und \u00fcber l\u00e4ngere Zeit mindestens mit einem Denkwerkzeug gearbeitet und so Anwendungserfahrung gesammelt. Entsprechend k\u00f6nnen sie zuverl\u00e4ssig \u00fcber diese Denkwerkzeuge Auskunft geben, sind daf\u00fcr die Expert:innen par excellence.<\/p>\n<p>Dies gilt allerdings nur mit ein paar Einschr\u00e4nkungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie mehrfach erw\u00e4hnt, werden in der <a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/forschung\/\">Wissenschaft <\/a>die Ziele, f\u00fcr die bestimmte Denkwerkzeuge genutzt werden, oft nicht reflektiert (\u2026 wie bei Kaffeemaschinen-Experten, die einfach ihre Lieblingsmaschine empfehlen, ohne sich Gedanken \u00fcber den geplanten Einsatz zu machen). Entsprechend ist es leider oft n\u00f6tig, dass man sich bei Verlautbarungen von Wissenschaftler:innen zuerst einmal Gedanken \u00fcber ihre nicht erw\u00e4hnten Ziele macht. Bspw. w\u00e4re es beim <a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/journalistinnen-zitieren-fachartikel\/\">Fallbeispiel zu den abstrakten Mathematikaufgaben<\/a> interessant herauszufinden, warum die beteiligten Forschenden unbedingt beweisen wollen, dass Mathematik abstrakt gelernt werden muss. Ihr Bed\u00fcrfnis, das nachzuweisen, ist offenbar so gross, dass sie \u00fcbersehen, was in ihrem Experiment tats\u00e4chlich geschieht. Und auch den Herausgeber:innen der \u00e4usserst renommierten Zeitschrift <em>Science<\/em> ist das nicht aufgefallen. Warum?<\/li>\n<li>Wissenschaftler:innen, die sich einen Namen gemacht haben, werden von den Medien oft auch zu Themen befragt, zu denen sie wenig oder keine Erfahrungen haben, und einige geben dann auch bereitwillig Auskunft (\u2026 wie Kaffeemaschinen-Experten, die sich mit viel Selbstvertrauen zur Qualit\u00e4t von Geschirrsp\u00fclern \u00e4usseren). Wichtig ist daher, dass man abkl\u00e4rt, ob bestimmte ihrer Aussagen durch ihre Erfahrungsbasis abgedeckt sind.<\/li>\n<li>Wie wir gesehen haben, <a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/verschleierte_interessen\/\">sind nicht alle Wissenschaftler:innen ehrlich bez\u00fcglich der Interessen<\/a>, die sie mit den von ihnen positiv bewerteten Denkwerkzeugen verfolgen (\u2026 wie Kaffeemaschinen-Experten, die eine Maschine nicht empfehlen, weil sie sie gut finden, sondern weil die Herstellerfirma sie daf\u00fcr bezahlt). Wenn grosse finanzielle Interessen auf dem Spiel stehen, ist daher Vorsicht geboten.<\/li>\n<li>Die Denkwerkzeuge der Wissenschaftler:innen sind oft sehr spezialisiert und nur nach langer Einarbeitungszeit nutzbar. Wenn Wissenschaftler:innen versuchen, diese Werkzeuge aus dem Moment heraus f\u00fcr Laien zu vereinfachen (bspw. in einem Interview), ist das Resultat oft nicht sehr brauchbar (\u2026 wie der Kaffeemaschinen-Experte, der erkl\u00e4rt, dass die Maschine nur zwei Schalter hat und daher ganz einfach zu bedienen ist, und dabei ausblendet, dass erst seine lange Erfahrung als Barista es ihm erm\u00f6glicht, mit diesen zwei Schaltern wahre Wunder zu vollbringen). Daher ist es oft sinnvoller, Wissenschaftler:innen nach dem Produkt ihrer \u00dcberlegungen zu fragen (\u2026 den Barista um einen Kaffee zu bitten), als nach einer Einf\u00fchrung in das dabei verwendete Denkwerkzeug (\u2026 die verwendete Kaffeemaschine).<\/li>\n<\/ul>\n<div style=\"background-color: lavenderblush;\">\n<p><a name=\"_Toc127785099\"><\/a><strong>Extensionales und intensionales Wissen<\/strong>In meiner Karriere als Wissenschaftler habe ich ca. 15 Jahre lang untersucht, warum \u00fcber alle Schulstufen hinweg das Gelernte schon kurz nach der Pr\u00fcfung vergessen geht und nicht wirklich genutzt werden kann. Mein Ziel war es dabei, das zu \u00e4ndern. Nach diesen 15 Jahren war ich \u00fcberzeugt, ein gutes Denkwerkzeug gefunden zu haben, das auch Lehrpersonen helfen k\u00f6nnte, ihren Unterricht wirksamer zu gestalten. Eine zentrale Rolle spielten das Ineinandergreifen von \u201eextensionalem\u201c und \u201eintensionalem\u201c Wissen. Was damit genau gemeint ist, ist hier nicht so wichtig.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Grob kann man die beiden Arten des Wissens mit dem parallel setzen, was Daniel Kahneman in seinem bekannten Buch mit \u201eschnellem\u201c und \u201elangsamem\u201c Denken bezeichnet.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Ich habe dann versucht, in Kursen dieses Denkwerkzeug an Lehrpersonen weiterzugeben. Die ersten Versuche sind hoffnungslos gescheitert. Im Grunde genommen habe ich dann <a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/entstehungsgeschichte-von-fachrechnen-vom-kopf-auf-die-fuesse\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nochmals 15 Jahre oder mehr gebraucht<\/a>, um zusammen mit Lehrpersonen aus meinem urspr\u00fcnglichen Denkwerkzeug ein Werkzeug zu formen, dass auch f\u00fcr sie handhabbar war. <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><a name=\"_Toc127130938\"><\/a><strong>Wissenschaftler:innen sind super Experten, aber nur, wenn man sich im Klaren ist, welche Ziele sie in ihrer Arbeit verfolgen.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr, dass dies nicht immer einfach ist, bietet das Fallbeispiel <a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/expertinnen-im-interview\/\">Mathematik der Corona-Zahlen<\/a>. Welche Ziele einen Mathematiker antreiben und dazu f\u00fchren, dass er die Verdopplungszahlen als ungeeignet ablehnt, kann man eigentlich nur verstehen, wenn man selbst Mathematik studiert hat. Und entsprechend schwierig ist es abzusch\u00e4tzen, ob sein Ziel sich mit unseren Zielen soweit deckt, dass sein Werkzeug auch f\u00fcr uns n\u00fctzlich sein kann.<\/p>\n<p>Weiter lesen &gt;&gt; <a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/bilder-und-anderes-im-internet\/\">Bilder und Anderes im Internet<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Eine Definition findet sich bspw. in: Kaiser, H. &amp; Keller, B. (1989). Learning: Fitting the world model to the task. Can we learn every world model for every task by doing? In H. Mandl, DeCorte, E., Bennett, N. &amp; Friedrich, H.F. (Ed.), <em>Proceedings of the Second European Conference for Research on Learning and Instruction. <\/em><em>Vol. 2.1<\/em> (pp. 219-230.). Oxford: Pergamon.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Kahneman, D. (2012). <em>Schnelles Denken, langsames Denken <\/em>M\u00fcnchen: Siedler Verlag.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Kaiser, H. (2019). <em>Situationsdidaktik konkret. Rezepte, Beispiele, Grundlagen<\/em>. Bern: hep verlag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftler:innen sind Expert:innen. Jede und jeder von ihnen hat intensiv und \u00fcber l\u00e4ngere Zeit mindestens mit einem Denkwerkzeug gearbeitet und so Anwendungserfahrung gesammelt. Entsprechend k\u00f6nnen sie zuverl\u00e4ssig \u00fcber diese Denkwerkzeuge Auskunft geben, sind daf\u00fcr die Expert:innen par excellence. 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