{"id":4843,"date":"2023-03-25T09:42:59","date_gmt":"2023-03-25T08:42:59","guid":{"rendered":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=4843"},"modified":"2023-07-18T12:57:05","modified_gmt":"2023-07-18T11:57:05","slug":"gleichwertige-alternativen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/gleichwertige-alternativen\/","title":{"rendered":"Gleichwertige Alternativen"},"content":{"rendered":"<p>Haben wir die Frage gekl\u00e4rt, <a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/verwendungszweck\/\">zu welchem Zweck<\/a> wir ein bestimmtes Denkwerkzeug verwenden wollen, k\u00f6nnen wir daran gehen zu beurteilen, ob es diesen Zweck auch erf\u00fcllt, ob es n\u00fctzlich ist.<\/p>\n<div style=\"background-color: lavenderblush;\">\n<p><a name=\"_Toc127785078\"><\/a><strong>Kosmologie<\/strong><\/p>\n<p>Aktuell geht die Kosmologie davon aus, dass unser Universum knapp 14 Milliarden (14\u2018000\u2018000\u2018000) Jahre alt ist. Es ist eine spannende Geschichte, wie die Forscher:innen auf diese Zahl kommen. Angefangen hat das Ganze eigentlich mit einer Beobachtung: Wenn ein Feuerwehrauto an uns vorbeif\u00e4hrt, klingt die Sirene h\u00f6her, wenn das Auto auf uns zuf\u00e4hrt, als wenn es von uns wegf\u00e4hrt. Im Moment, wo es an uns vorbeif\u00e4hrt, ist ein deutlicher Abfall der Tonh\u00f6he wahrzunehmen (der sogenannte Dopplereffekt). Diesen Effekt gibt es auch beim Licht. Hier \u00e4ndert sich die Farbe ganz leicht. Gegenst\u00e4nde, die auf uns zukommen, wirken ein klein wenig blauer, als wenn sie ruhig neben uns stehen. Gegenst\u00e4nde, die von uns weggehen, wirken etwas roter. Der Effekt ist allerdings so gering, dass wir ihn mit blossem Auge nicht wahrnehmen. Die Kosmologie nimmt nun an, dass die chemischen Prozesse, die in fernen Sternen ablaufen, etwa dieselben sind, wie wir sie hier bei uns kennen. Auf Grund dieser Annahme kann man ausrechnen, wie das Licht zusammengesetzt sein m\u00fcsste, das von diesen Sternen zu uns gelangt. Und als die Astronomen begannen, auf dem Hintergrund dieser \u00dcberlegungen das Licht der Sterne zu analysieren, stellten sie \u00fcberrascht fest, dass es bei allen ein wenig zu rot ist, so als ob sich alle Sterne von uns wegbewegen w\u00fcrden. Diese Rotverschiebung und damit die scheinbare Geschwindigkeit sind umso gr\u00f6sser, je weiter weg die Sterne sind. Alle Sterne, das ganze All scheinen wie das Produkt einer gigantischen Explosion auseinanderzufliegen. Diese Explosion bekam den Namen <em>Urknall<\/em>. Und aus den Distanzen zwischen den Sternen und ihren Geschwindigkeiten zueinander konnte man r\u00fcckw\u00e4rts rechnen, wie lange ungef\u00e4hr dieser Urknall zur\u00fcckliegen m\u00fcsste, und kam so auf die rund 14 Milliarden Jahre.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich war niemand mit einer Stoppuhr in der Hand beim Urknall dabei und hat diese seither immer wieder aufgezogen und laufen gelassen. Die ganze Kosmologie beruht auf verschiedenen Annahmen, die sich nicht wirklich \u00fcberpr\u00fcfen lassen. Eine davon ist die erw\u00e4hnte, dass die Gesetze von Physik und Chemie durch das ganze Weltall gleich gelten, wie wir sie hier bei uns beobachten k\u00f6nnen \u2013 und das nicht nur jetzt, sondern seit 14 Milliarden Jahren unver\u00e4ndert. Aber mit diesen Annahmen gelingt es der Kosmologie ein Bild zu entwerfen, mit dem vieles, was am Himmel beobachtbar ist, erkl\u00e4rbar wird. Bezogen auf dieses Ziel ist die Kosmologie n\u00fctzlich.<\/p>\n<div id=\"Welt-f\u00fcnf-Minuten\">\n<p>Wie ich bei der <a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/wahrheit\/#Fall3\"><em>Flach-Erde-Theorie <\/em><\/a>zu illustrieren versuchte, kann man mit etwas Phantasie und Aufwand typischerweise dieselben Ph\u00e4nomene mit verschiedenen Theorien hinterlegen. Eine Alternative zum Bild der Kosmologie w\u00e4re die Ansicht derjenigen, welche gest\u00fctzt auf die Bibel davon ausgehen, dass die Erde vor weniger als 10\u2018000 Jahren geschaffen wurde. Ich m\u00f6chte diese Theorie hier aber nicht weiter diskutieren, da sie f\u00fcr ihre Vertreter aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden mit starken Emotionen verbunden ist und sich so schlecht f\u00fcr Gedankenspiele eignet. Weniger belastet ist hingegen die Idee, dass die Welt, wie sie ist, vor genau f\u00fcnf Minuten entstanden ist.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Dabei w\u00e4re nicht nur das entstanden, was wir um uns herum beobachten k\u00f6nnen, sondern auch all unsere Erinnerungen daran, was fr\u00fcher war. Wenn sie sich daran erinnern, dass sie schon vor mehr als f\u00fcnf Minuten in diesem Buch gelesen haben, w\u00e4re das gar nicht \u201ewahr\u201c, sondern ihnen einfach als Erinnerung vor genau f\u00fcnf Minuten in ihr vollst\u00e4ndig neues Ged\u00e4chtnis eingepflanzt worden.<\/p>\n<p>Computerspiele funktionieren so. Bevor sie gestartet werden, ist da Nichts. Und im Moment, wo das Spiel zu laufen beginnt, ist pl\u00f6tzlich alles da. Wenn es sich dabei etwa um ein R\u00e4tselspiel im Sinne eines Krimis handelt, bei dem Personen befragt werden m\u00fcssen, haben diese Personen auch Erinnerungen, die sich auf die Zeit vor dem Start des Spiels beziehen. Wenn wir den ganzen Kosmos als so eine Art \u201eComputerspiel\u201c ansehen, w\u00e4re das zwar ein sehr komplexes Spiel und die \u201eProgrammierer\u201c m\u00fcssten \u00fcber gewaltige F\u00e4higkeiten verf\u00fcgen. Aber wenn man einen allm\u00e4chtigen Sch\u00f6pfer annimmt, dann w\u00e4re das nicht unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Es gibt keine M\u00f6glichkeit, zwischen der anerkannten kosmologischen Theorie und der \u201eProgrammstart\u201c Theorie als erkl\u00e4rende Theorie f\u00fcr die im Weltall beobachteten Ph\u00e4nomene zu unterscheiden. Oder wie Bertrand Russell sagt: \u201eEs besteht keine logisch notwendige Verbindung zwischen Ereignissen zu unterschiedlichen Zeiten; daher kann nichts, was jetzt oder in der Zukunft passiert, die Hypothese widerlegen, dass die Welt vor f\u00fcnf Minuten begann.\u201c Die beiden Theorien sind wie zwei Schraubenzieher, einen mit einem roten Griff und einen mit einem gr\u00fcnen Griff. Um Schrauben festzuziehen eignen sich beide gleich gut.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Die Gleichwertigkeit der kosmologischen und der \u201eProgrammstart\u201c Theorie gilt allerdings nur, wenn es allein darum geht, die beobachtbaren physikalischen Ph\u00e4nomene im Weltall in ein Gesamtbild einzubetten. F\u00fcr religi\u00f6se Christen hingegen, die die Schilderung der Genesis in der Bibel mitber\u00fccksichtigen wollen, sind beide nicht haltbar.<\/p>\n<p><a name=\"_Toc127130920\"><\/a><strong>Um dasselbe Ziel zu erreichen, sind immer unterschiedliche Denkwerkzeuge vorstellbar. Und manchmal liegen auch zwei Denkwerkzeuge vor, die gleich n\u00fctzlich sind.<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Beantwortung der Frage \u201eWie sp\u00e4t ist es?\u201c gibt es auf der Erde 24 verschiedene absolut gleichwertige Denkwerkzeuge, die 24 Zeitzonen. Wenn ich am Telefon mit jemandem in Sydney Australien sage: \u201eEs ist jetzt 9 Uhr\u201c und der am anderen Ende der Leitung antwortet: \u201eNein, es ist 18 Uhr\u201c, dann hat keiner mehr recht als der andere, genauso, wie wenn an Silvester die Raketen zur Begr\u00fcssung des neuen Jahres in Sydney 9 Stunden vor denen in Z\u00fcrich gez\u00fcndet werden. Wie frei man bei der Festlegung der aktuellen Zeit ist, zeigt das Beispiel Spanien. Geografisch w\u00fcrde Spanien in dieselbe Zeitzone geh\u00f6ren wie Grossbritannien, es liegt aber in derselben Zeitzone wie Deutschland. Das geht auf General Franko zur\u00fcck, der damals seine Verbundenheit mit Hitler dadurch ausdr\u00fccken wollte, dass er sich derselben Zeitzone wie Deutschland anschloss. Bin ich in Spanien im Urlaub, freue ich mich \u00fcber die langen, sonnigen Abende, die ich dadurch geniessen kann. Bin ich allerdings in London, ist es vor Vorteil, wenn ich die dort \u00fcbliche Zeit benutze, wenn ich rechtzeitig im Theater sein will (vgl. <a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/kooperation\/\">Kooperation<\/a>).<\/p>\n<p>Verabschieden wir uns vom Kriterium \u201eWahrheit\u201c bei der Beurteilung von Denkwerkzeugen, dann erm\u00f6glicht uns das eine gewisse Haltung der Toleranz gegen\u00fcber alternativen Ideen. Manchmal sind zwei Denkwerkzeuge ganz einfach gleich n\u00fctzlich.<\/p>\n<p>Weiter lesen &gt;&gt; <a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/kosten\/\">Kosten<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Bspw. Bertrand Russell (1921) The Analysis of Mind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben wir die Frage gekl\u00e4rt, zu welchem Zweck wir ein bestimmtes Denkwerkzeug verwenden wollen, k\u00f6nnen wir daran gehen zu beurteilen, ob es diesen Zweck auch erf\u00fcllt, ob es n\u00fctzlich ist. 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