{"id":4816,"date":"2023-03-22T08:55:44","date_gmt":"2023-03-22T07:55:44","guid":{"rendered":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=4816"},"modified":"2023-05-16T08:34:28","modified_gmt":"2023-05-16T07:34:28","slug":"brustkrebsscreening","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/expertinnen\/brustkrebsscreening\/","title":{"rendered":"Brustkrebsscreening"},"content":{"rendered":"<p><a name=\"_Toc127785108\"><\/a><strong>Soll man alle Frauen pr\u00e4ventiv r\u00f6ntgen?<\/strong><\/p>\n<p>Es scheint einleuchtend, dass die Behandlungschancen umso besser sind, je fr\u00fcher ein Brustkrebs entdeckt wird. Die Krebsliga Schweiz schreibt daher auf ihrer <a href=\"https:\/\/www.krebsliga.ch\/krebs-vorbeugen\/praevention-und-frueherkennung\/frueherkennung\/brustkrebs\/praevention-und-frueherkennung-von-brustkrebs\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" name=\"_ftnref1\">Website<\/a>: \u201eDie wichtigste Methode zur Fr\u00fcherkennung von Brustkrebs bei Frauen ab 50 Jahren ist die Mammografie. Die Krebsliga Schweiz empfiehlt und unterst\u00fctzt die Brustkrebs-Fr\u00fcherkennung durch Mammografie-Screening bei Frauen ab 50 Jahren.\u201c<\/p>\n<p><em>\u201eScreening\u201c bedeutet, dass man ausnahmslos alle Personen einer bestimmten Gruppe untersucht. Bei COVID-19 w\u00fcrde das heissen, dass man bspw. alle Einwohner einer Stadt testet, egal ob sie Symptome haben oder nicht, so wie das in China immer wieder gemacht wurde.<\/em><\/p>\n<p>Der Verein mediX, eine schweizerische Vereinigung regionaler \u00c4rztenetze, ist da nicht ganz dieser Meinung. mediX schreibt in einem <a href=\"https:\/\/www.medix.ch\/media\/medix_dossier_mammografie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Merkblatt<\/a> zum Thema: \u201eEs gibt eine gute Nachricht f\u00fcr alle Frauen: In den meisten L\u00e4ndern sterben immer weniger Frauen an Brustkrebs. Diese erfreuliche Entwicklung ist [aber] wahrscheinlich nur zu einem geringen Teil der Fr\u00fcherkennung zu verdanken. \u2026 Ein Mammografie-Screeningprogramm ist letztlich nur dann erfolgreich, wenn es die Anzahl der Frauen mit fortgeschrittener Krebskrankheit deutlich zu verringern hilft. Erfahrungen aus verschiedenen L\u00e4ndern lassen daran zweifeln, dass dieses Ziel erreicht wird.\u201c<\/p>\n<p>Zwei verschiedene Gruppen von Expert:innen, zwei verschiedene Meinungen. Was ist nun sinnvoller: Ab 50 (bis 69) jedes Jahr zur Untersuchung gehen? Oder es bleiben lassen, weil es nicht viel bringt? Ein Grund, warum sich die beiden Gruppen uneinig sind, k\u00f6nnen wir uns anhand von ein paar Zahlen veranschaulichen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4833\" src=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Baum_Brustkrebs_Screening.jpg\" alt=\"\" width=\"541\" height=\"344\" srcset=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Baum_Brustkrebs_Screening.jpg 541w, https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Baum_Brustkrebs_Screening-300x191.jpg 300w, https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Baum_Brustkrebs_Screening-472x300.jpg 472w\" sizes=\"auto, (max-width: 541px) 100vw, 541px\" \/><br \/>\n<em>Abbildung: Prozentsatz der Frauen, die beim Screening einen falschen Alarm erhalten<\/em><\/p>\n<p>Die Abbildung geht davon aus, dass wir eine Gruppe von 1000 Frauen im Alter von 60 Jahren haben, die alle zum Mammografie-Screening gehen. Aus langj\u00e4hriger Forschung weiss man, dass in diesem Alter etwa 3 % aller Frauen an Brustkrebs leiden, von den 1000 Frauen im Beispiel w\u00e4ren das also etwa 30. Ebenfalls aus langj\u00e4hriger Forschung ist bekannt, dass man beim R\u00f6ntgen ca. 80 % dieser F\u00e4lle entdeckt. Von den 30 der 1000 Frauen, die tats\u00e4chlich Brustkrebs haben, wird er also bei 24 entdeckt. Bei den restlichen 6 Frauen \u00fcbersieht man ihn. Umgekehrt ist es so, dass bei den Frauen, die keinen Tumor haben, bei etwa 10 % der Test f\u00e4lschlicherweise angibt. Von den 970 Frauen gibt es also bei 97 einen falschen Alarm. Insgesamt erhalten von den 1000 Frauen im Beispiel 121 die (vorl\u00e4ufige) Diagnose Brustkrebs. Bei 97 von ihnen ist diese Diagnose aber falsch, d.h. etwa 8 von 10 Diagnosen sind falsch. Oder anders gesagt: Jede Frau, die hier die Diagnose \u201eBrustkrebs\u201c erh\u00e4lt, kann eigentlich ziemlich sicher sein, dass dies nicht stimmt. (Bei Frauen in einem anderen Alter sind die Zahlen ganz leicht anders, da die Prozents\u00e4tze anders sind. Im Beispiel habe ich \u00fcbrigens 1000 Frauen genommen, damit sich sch\u00f6ne Zahlen ergeben. Sie k\u00f6nnen das Ganze f\u00fcr eine andere Gruppengr\u00f6sse berechnen, das Resultat bleibt dasselbe.)<\/p>\n<p>Die Abbildung zeigt nur einen Ausschnitt des ganzen Geschehens, nur ein einziges Jahr aus dem Leben dieser Frauen. Von den 6 Frauen, bei denen der Tumor in diesem Jahr nicht entdeckt wurde, werden einige daran sterben, aber nicht alle. Umgekehrt wird man den meisten Frauen helfen k\u00f6nnen, bei denen ein Tumor erkannt wurde. Alles in allem gilt laut <a href=\"https:\/\/www.medix.ch\/media\/medix_dossier_mammografie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mediX<\/a>, dass von 1000 Frauen, die w\u00e4hrend 10 Jahren regelm\u00e4ssig an einem Mammographie-Screening teilnehmen, <strong>eine<\/strong> vom Tode bewahrt wird, weil der Tumor durch das Screening fr\u00fcher entdeckt wurde.<\/p>\n<p>Zusammengefasst heisst das also: Wenn 1000 Frauen 10 Jahre lang j\u00e4hrlich zum Mammografie-Screening gehen, dann retten wir ein Leben, versetzen aber j\u00e4hrlich fast 100 Frauen unn\u00f6tigerweise in Angst und Schrecken, setzen sie unn\u00f6tigerweise weiteren Untersuchungen aus und therapieren vielleicht sogar einen Tumor, bei dem das gar nicht n\u00f6tig gewesen w\u00e4re. Es wird gesch\u00e4tzt, dass von diesen 1000 Frauen, die 10 Jahre lang ins Screening gehen, 5 unn\u00f6tigerweise operiert werden, allenfalls mit Nachbestrahlung und Chemotherapie.<\/p>\n<p>Ich denke, die Zahlen machen deutlich, warum die beiden Expert:innen-Gruppen zu unterschiedlichen Einsch\u00e4tzungen kommen. Die Frage ist, ob man das eine gerettete Leben oder die j\u00e4hrlich 100 falschen Alarme mit ihren Folgen h\u00f6her gewichtet.<\/p>\n<p>(Die Zahlen sehen \u00fcbrigens f\u00fcr Frauen, bei denen in der Familie (Mutter, Schwester oder Tochter) schon Brustkrebs aufgetreten ist, etwas anders aus, da ihr Risiko h\u00f6her ist, n\u00e4mlich eher 10 % als 3 %. Wenn sie gern mit Zahlen spielen, k\u00f6nnen sie eine Kopie der Abbildung oben machen und an Stelle der 3 % einmal 10 % einsetzen und dann alles durchrechnen.)<\/p>\n<p>Auch dies ist ein Beispiel daf\u00fcr, dass die sich widersprechenden Expert:innen dasselbe Denkwerkzeug mit unterschiedlichem Ziel einsetzen. Beide Gruppen benutzen dieselben Zahlen und kennen die Werte, die ich zusammengestellt habe. Die eine Gruppe verfolgt dabei wahrscheinlich das Ziel, unter allen Umst\u00e4nden m\u00f6glichst viele Krebstote zu verhindern. Bei der Krebsliga ist das fast sicher so. Beim schweizerischen Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG) k\u00f6nnte es auch der Fall sein, wenn es <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-51934.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schreibt<\/a>: \u201eIn Abw\u00e4gung aller Faktoren haben viele L\u00e4nder wie auch die Schweiz entschieden, systematische Fr\u00fcherkennungsprogramme einzuf\u00fchren.\u201c <a href=\"https:\/\/www.medix.ch\/media\/medix_dossier_mammografie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mediX<\/a> hingegen spricht von \u201eNutzen und Schaden\u201c, enth\u00e4lt sich einer Schlussfolgerung und wendet sich an die einzelne Frau: \u201eOb Sie pers\u00f6nlich von einem Mammografie-Screening profitieren oder nicht, l\u00e4sst sich aber aus keiner Statistik ablesen. Jede Frau muss die Entscheidung nach Abw\u00e4gung der Vor- und Nachteile letztlich selbst treffen.\u201c<\/p>\n<p>Leider gibt keine der Gruppen explizit an, welches Ziel sie genau mit dem Einsatz des Denkwerkzeugs verfolgt, was ihr wichtig ist und was nicht. Will man sich nicht auf die Vermutungen bez\u00fcglich der unterschiedlichen Ziele verlassen, wie ich sie angestellt habe, dann m\u00fcsste man nachfragen, wie ihre Empfehlungen aufgrund der Daten zustande kommen. Vor allem beim BAG w\u00e4re ich gespannt, was die involvierten Expert:innen zu sagen haben.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/expertinnen\/\">Expert:innen<\/a>]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soll man alle Frauen pr\u00e4ventiv r\u00f6ntgen? Es scheint einleuchtend, dass die Behandlungschancen umso besser sind, je fr\u00fcher ein Brustkrebs entdeckt wird. 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