{"id":4759,"date":"2023-03-05T15:33:57","date_gmt":"2023-03-05T14:33:57","guid":{"rendered":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=4759"},"modified":"2023-03-14T14:57:47","modified_gmt":"2023-03-14T13:57:47","slug":"lehrerweiterbildung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/kooperation\/lehrerweiterbildung\/","title":{"rendered":"Fallbeispiel: Lehrerweiterbildung und Kooperation"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe einen grossen Teil meines beruflichen Lebens damit verbracht, neue Denkwerkzeuge zum Thema \u201eLernen\u201c zu entwickeln. Ich wollte Lehrpersonen Werkzeuge zur Unterrichtsgestaltung in die Hand geben, damit ihre Lernenden nicht gleich nach der Pr\u00fcfung alles vergessen, sondern etwas f\u00fcr den Rest ihres Lebens mitnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst ergab sich aus dieser Arbeit folgendes Bild wirksamen Lernens: Die Lernenden leben in einer Welt, welche f\u00fcr sie Fragen aufwirft. In der Schule erhalten sie die Gelegenheit, diese Fragen zu stellen und Lernende und Lehrpersonen versuchen gemeinsam, darauf Antworten zu entwickeln. Dabei spielt einerseits der Wissensvorsprung der Lehrperson eine Rolle. Genauso wichtig sind aber auch die Kenntnisse, welche die Lernenden \u00fcber ihren Alltag mitbringen, der Ausl\u00f6ser zu ihren Fragen war. Die Lernenden tragen dann die so erarbeiteten L\u00f6sungen in ihren Alltag zur\u00fcck. Das Ganze bekam den Namen \u201eSituationsdidaktik\u201c, weil die Lernenden aus einer Situation, die sie besch\u00e4ftigt, in die Schule kommen und dann mit neuen Werkzeugen in diese Situation zur\u00fcckkehren. (Ausf\u00fchrlicher am Beispiel des <a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fachrechnens in der Berufsbildung<\/a>, oder allgemeiner: Kaiser, H. (2019) Situationsdidaktik konkret. Bern, hep verlag.)<\/p>\n<p>An den meisten Schulen dominiert aber eine andere Vorstellung, wie (schulbasiertes) Lernen abl\u00e4uft: Die Lehrperson weiss etwas, was nach ihrer (oder der Beh\u00f6rden) Meinung die Lernenden auch wissen sollten. Sie gibt dieses Wissen an die Lernenden weiter und die Lernenden wenden dann das Gelernte bei passender Gelegenheit an. Man k\u00f6nnte dem \u201eTransmissionsdidaktik\u201c sagen.<\/p>\n<p>Nachdem ich sicher war, dass das Denkwerkzeug der \u201eSituationsdidaktik\u201c seinen Zweck erf\u00fcllt, versuchte ich es in Kursen Lehrpersonen als Instrument mitzugeben. Nicht alle konnten etwas damit anfangen, aber einige griffen zu, setzten es ein und waren zufrieden damit. Nur \u2013 und das ist der entscheidende Punkt, warum ich diese Geschichte hier erz\u00e4hle \u2013 arbeiteten sie dadurch pl\u00f6tzlich mit einem Instrument, das sich deutlich von der Transferdidaktik ihrer Kolleginnen und Kollegen unterschied. Das erschwerte eine Zusammenarbeit innerhalb des Schulhauses. Gespr\u00e4che im Lehrerzimmer konnten nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich von denselben gedanklichen Voraussetzungen ausgehen.<\/p>\n<p>Auch wenn viele Lehrpersonen alleine vor ihrer Klasse stehen und eine enge Kooperation wie im Beispiel bei der<a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/kooperation\/#Fall4\"> Steuerung der Marssonde<\/a> zwischen Lehrpersonen nicht n\u00f6tig ist, hat ein solcher Kooperationsbruch auch in der Schule Folgen. Lehrpersonen sind in der schwierigen Lage, dass sie die Resultate ihrer Arbeit nicht wirklich direkt erleben. Ob die Lernenden etwas mitgenommen haben, zeigt sich erst viel sp\u00e4ter, wenn der Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden l\u00e4ngst verloren gegangen ist. Lehrpersonen sind daher typischerweise mehr Burnout gef\u00e4hrdet, als etwa Personen in handwerklichen Berufen. Eine wichtige St\u00fctze, um in dieser Situation nicht den Glauben an den Sinn der eigenen Arbeit zu verlieren, ist der Austausch mit gleichgesinnten Kolleginnen und Kollegen, durch den man sich versichert, dass man trotz allem sinnvoll und gut unterrichtet.<\/p>\n<p>Die Lehrpersonen, die, angeregt durch meine Kurse, auf ein neues Denkwerkzeug umschwenkten, verloren diese M\u00f6glichkeit, sich im Kollegium auszutauschen. Und ich hatte daher w\u00e4hrend meiner Kurse oft Skrupel, ob ich sie nicht direkt ins Burnout treibe. Vermutlich ist das nie passiert, denn nur die Lehrpersonen, welche die daraus resultierende Isolation auch ertragen konnten, ergriffen das neue, von mir angebotene Werkzeug. Aber konsequenterweise sollte man nie einzelne Lehrpersonen weiterbilden, sondern in Form von Schulentwicklungen immer ganze Kollegien, sodass sich Gruppen bilden k\u00f6nnen, welche gemeinsam das neue Werkzeug nutzen.<\/p>\n<p>(vgl. Seite <a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/denkwerzeuge\/kooperation\/#StoerungKooperationVermeiden\">Kooperation<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe einen grossen Teil meines beruflichen Lebens damit verbracht, neue Denkwerkzeuge zum Thema \u201eLernen\u201c zu entwickeln. 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