{"id":3398,"date":"2016-02-25T11:40:13","date_gmt":"2016-02-25T10:40:13","guid":{"rendered":"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=3398"},"modified":"2016-02-25T13:13:49","modified_gmt":"2016-02-25T12:13:49","slug":"lohnabrechnung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/didaktisches-grundmodell\/acht-schritte\/beispiele\/lohnabrechnung\/","title":{"rendered":"Lohnabrechnung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht%20Schritte\/Lohnabrechnung.pdf\" target=\"_blank\">pdf<\/a> Ren\u00e9 W\u00fcthrich (im folgenden RW) hat die hier beschriebene Lernsequenz nun schon mit f\u00fcnf Klassen <em>Assistentinnen Gesundheit und Soziales EBA<\/em> durchgef\u00fchrt und auf Grund seiner Erfahrungen immer wieder ein bisschen weiter entwickelt. Entsprechend ausgefeilt ist der ganze Ablauf unterdessen, der ziemlich genau der Grundform der\u00a0<a href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=2414\"><em>Acht Schritte<\/em><\/a> folgt. Die Beispiele in den Abbildungen stammen alle aus den letzten beiden Durchf\u00fchrungen. Verschiedenste Anmerkungen beziehen sich aber auf alle f\u00fcnf Durchg\u00e4nge.<\/p>\n<p>[Die berufliche Grundbildung <em>Assistentin\/Assistenten Gesundheit und Soziales<\/em> ist eine zweij\u00e4hrige Ausbildung und ist auf schulisch eher schw\u00e4chere Lernende ausgerichtet.]<\/p>\n<h1>1 Die <a href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/berechnungssituationen\/\">Berechnungssituation<\/a><\/h1>\n<p>Die Lernsequenz fand im Rahmen des Allgemeinbildenden Unterrichts (ABU) statt. Themenbereiche, welche dort vor allem am Anfang der Ausbildung behandelt werden, sind \u201eEinstieg in die berufliche Grundbildung\u201c und \u201eEigenes Geld verdienen\u201c. Ein Thema, das beide Bereiche ber\u00fchrt, ist die Auseinandersetzung mit der monatlichen Lohnabrechnung. Die Lernenden erhalten mit Beginn der Ausbildung zum ersten Mal in ihrem Leben monatlich einen Lohn ausbezahlt und dazu eine Lohnabrechnung. (Dies gilt zumindest f\u00fcr die Lernenden, welche mit etwa 16 Jahren gleich nach der obligatorischen Schulzeit eine berufliche Grundbildung beginnen.)<\/p>\n<p>Bei Lernenden in Ausbildung zur <em>Assistentin, z<\/em>um<em> Assistenten Gesundheit und Soziales<\/em> kann der Lohn von Monat zu Monat betr\u00e4chtlich schwanken, dies auf Grund von Wochenendarbeit und Nachtschichten und den damit verbundenen Zulagen (vgl. Abbildung 2 und Abbildung 3). Es lohnt sich daher f\u00fcr die Lernenden jeden Monat die Abrechnung kurz zu kontrollieren um festzustellen, ob alles richtig verrechnet wurde. Kritisch sind dabei nicht nur F\u00e4lle, bei denen etwas vergessen gegangen ist, sondern auch solche, bei denen zu viel ausbezahlt wurde. Bei den eher kleinen L\u00f6hnen, welche die Lernenden erhalten, kann es \u00e4rgerlich sein, wenn man Monate sp\u00e4ter Geld, das man schon ausgegeben hat, zur\u00fcckzahlen sollte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3287\" style=\"border: 0pt none;\" src=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Rene_Lohnabrechnung.jpg\" alt=\"Rene_Lohnabrechnung\" width=\"428\" height=\"762\" srcset=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Rene_Lohnabrechnung.jpg 428w, https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Rene_Lohnabrechnung-169x300.jpg 169w\" sizes=\"auto, (max-width: 428px) 100vw, 428px\" \/><\/p>\n<p>Abbildung 1: Beispiel eines (fiktiven) Lohnausweises<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Kontrolle ist es nicht notwendig, jedes Mal die Lohnabrechnung Position um Position durchzurechnen. Hilfreicher ist ein direkter Vergleich mit dem Vormonat. Findet man Unterschiede, kann man f\u00fcr jeden dieser Unterschiede separat \u00fcberlegen, ob er plausibel ist und ob er allf\u00e4lligen eigenen Aufzeichnungen zur Arbeitszeit entspricht. Sind alle Unterschiede auf diesem Weg einzeln gekl\u00e4rt, macht es typischerweise wenig Sinn, die Konsequenzen daraus rechnerisch bis zum Auszahlungsbetrag zu verfolgen. Normalerweise kann man sich darauf verlassen, dass der Computer die Summen und Abz\u00fcge korrekt berechnet hat.<\/p>\n<p>So gesehen kann jemand mit dieser Berechnungssituation kompetent umgehen, wenn er oder sie in der Lage ist, zwei Lohnabrechnungen Position um Position zu vergleichen und allf\u00e4llige Unterschiede auf ihre Plausibilit\u00e4t zu \u00fcberpr\u00fcfen. Schwerpunktm\u00e4ssig wird es dabei vor allem um die Positionen unter der Rubrik \u201eBruttolohn\u201c gehen (vgl. Abbildung 1). Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnte eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Berechnungssituation die Sozialabz\u00fcge mit einbeziehen. Die entsprechenden Prozents\u00e4tze bleiben zwar typischerweise jahrelang unver\u00e4ndert, werden aber auf Grund politischer Entscheidungen von Zeit zu Zeit erh\u00f6ht oder gesenkt.<\/p>\n<h1>2 Durchf\u00fchrung<\/h1>\n<p>Als didaktisches Modell wurden die <em><a href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=2414\">Acht Schritte<\/a><\/em> eingesetzt. Ziel war es, die Lernenden zu bef\u00e4higen, kompetent mit ihren Lohnabrechnungen umzugehen.<\/p>\n<h2>2.1 Erfahrungen sammeln<\/h2>\n<p>Die Unterrichtssequenz fand jedes Mal ca. vier Monate nach Ausbildungsbeginn statt. Die Lernenden hatten also alle schon mehrmals eine Lohnabrechnung erhalten und diese vermutlich auch zur Kenntnis genommen. Sie wurden gebeten, die letzten beiden in den Unterricht mitzubringen.<\/p>\n<h2>2.2 Erfahrungen schildern<\/h2>\n<p>Der Unterricht begann dann mit einem etwa 10 Minuten dauernden offenen Erfahrungsaustausch zum Thema Lohnabrechnungen (f\u00fcr die Zeitangaben vgl. die Planung im Abschnitt 4 der <a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht%20Schritte\/Lohnabrechnung.pdf\" target=\"_blank\">pdf-Version<\/a>). RW fokussierte diese Diskussion mit Hilfe folgender drei Fragen: Wer hat eine Lohnabrechnung erhalten? Wof\u00fcr ist diese gut? Sieht sie jeden Monat gleich aus?<\/p>\n<p>Die mitgebrachten Lohnabrechnungen erwiesen sich als sehr vielf\u00e4ltig. Und einige davon waren nicht so einfach zu interpretieren. So handelt es sich in Abbildung 2 und Abbildung 3 bei den beiden obersten Angaben unter \u201eSatz\u201c ganz offensichtlich um zwei verschiedene Arten von \u201eS\u00e4tzen\u201c.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3402\" style=\"border: 0pt none;\" src=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Ausweis_2.jpg\" alt=\"Ausweis_2\" width=\"392\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Ausweis_2.jpg 392w, https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Ausweis_2-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 392px) 100vw, 392px\" \/><\/p>\n<p>Abbildung 2: Reale Lohnabrechnung einer Lernenden, Oktober<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3403\" style=\"border: 0pt none;\" src=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Ausweis_3.jpg\" alt=\"Ausweis_3\" width=\"391\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Ausweis_3.jpg 391w, https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Ausweis_3-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 391px) 100vw, 391px\" \/><\/p>\n<p>Abbildung 3: Reale Lohnabrechnung derselben Lernenden, November<\/p>\n<p>Vor allem bei der ersten Durchf\u00fchrung erwies sich dieser Austausch auch f\u00fcr RW als informativ und n\u00fctzlich, da er selbst noch nie in einer Funktion mit Nacht- und Sonntagsarbeit t\u00e4tig gewesen war. Er realisierte, dass er in seiner Vorbereitung die Bedeutung der Wochenenddienste nicht richtig eingesch\u00e4tzt hatte und passte darauf hin entsprechend das Vorgehen in Schritt 5 an. Verschiedene Lernende brachten ein Beiblatt zu ihrer Lohnabrechnung mit, auf welchem die Zeiterfassung dokumentiert war. RW liess sich dieses von den Lernenden erkl\u00e4ren, um es dann auch als Material in Schritt 5 mit einzubeziehen.<\/p>\n<h2>2.3 Aufgabe bearbeiten<\/h2>\n<p>Als erste Aufgabe verglichen die Lernenden in selbst gebildeten 3-er Gruppen zwei fiktive Lohnabrechnungen f\u00fcr zwei aufeinanderfolgende Monate. Die erste dieser Lohnabrechnungen entsprach der Abbildung 1 (Oktober). Die zweite Abrechnung f\u00fcr den November unterschied sich vom Oktober nur bei den Stundenzahlen f\u00fcr den Nachtdienst (8 Stunden an Stelle von 11 Stunden) und den Sonntagsdienst (6 Stunden an Stelle von 7 Stunden). Der Auszahlungsbetrag war also bei der zweiten Abrechnung etwas geringer (868.15 Fr. an Stelle von 890.40 Fr.)<\/p>\n<p>Die Gruppen erhielten folgenden Auftrag:<\/p>\n<pre>1. Kontrollieren Sie in der Gruppe, ob die \r\n   Lohnabrechnungen so korrekt sind!\r\n2. Halten Sie Ihre Meinung\/ Vorgehen und eventuelle\r\n  Schwierigkeiten auf einem Flipchart fest.\r\n3. Pr\u00e4sentieren Sie diesen der Klasse.\r\nZeit: 15 Minuten<\/pre>\n<p>Die Aufgabe stiess auf grosses Interesse und es wurde rege daran gearbeitet. Die Lernenden unterst\u00fctzten sich gegenseitig hervorragend.<\/p>\n<h2>2.4 L\u00f6sungen kritisch besprechen<\/h2>\n<p>Anschliessend pr\u00e4sentierte jede Gruppe ihre Ergebnisse auf einem Flipchart. Einige Beispiele zeigt Abbildung 4.<\/p>\n<p>F\u00fcr jede Variante wurden in der Klasse die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen des jeweiligen Vorgehens beurteilt. Die Ergebnisse der Diskussionen wurden in Stichworten festgehalten. Das Ganze nahm etwa 20 Minuten in Anspruch.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3406\" style=\"border: 0pt none;\" src=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Filp_1_und_2.jpg\" alt=\"Filp_1_und_2\" width=\"450\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Filp_1_und_2.jpg 450w, https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Filp_1_und_2-300x192.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p>Pro Klasse pr\u00e4sentierten bis zu f\u00fcnf Gruppen ihre \u00dcberlegungen. Das f\u00fchrte zu etlichen Wiederholungen oder \u00e4hnlichen Aussagen, was auch kognitiv schw\u00e4cheren Lernenden die Gelegenheit gab, sich richtig in die Materie einzudenken. Direkt im Laufe dieser Diskussionen wurden mit Hilfe von RW verschiedene Spezialbegriffe gekl\u00e4rt. Bspw. fand eine Lernende auf ihrer Abrechnung eine \u201eSonderabgabe Migrationsamt\u201c, welche auf ihren Satus als Fl\u00fcchtling zur\u00fcckzuf\u00fchren war.<\/p>\n<h2>2.5 Professionelles Vorgehen<\/h2>\n<p>RW f\u00fchrte darauf anhand zweier weiterer fiktiver Lohnabrechnungen modellhaft vor, wie er ihre Unterschiede analysiert. Er benutzte dazu folgenden Ablauf und kommentierte sein Vorgehen fortlaufend laut denkend. Dieser Schritt nahm etwa 10 Minuten in Anspruch.<\/p>\n<pre>1. Auszahlungsbetr\u00e4ge der beiden Monate vergleichen. \r\n   Wenn sie nicht identisch sind, dann fortfahren.\r\n2. Bruttol\u00f6hne der beiden Abrechnungen vergleichen. \r\n   Sie sollten verschieden sein.\r\n3. Weshalb sind sie verschieden? Wo finden sich \r\n   Unterschiede? Oft finden sich die Unterschiede \r\n   bei den Zuschl\u00e4gen f\u00fcr den Nachtdienst und den \r\n   Sonntagsdienst.\r\n4. Sind die Stunden f\u00fcr den Nachtdienst und den \r\n   Sonntagsdienst richtig erfasst?\r\n5. Sch\u00e4tzen: Sind die Betr\u00e4ge f\u00fcr den Nachtdienst \r\n   und den Sonntagsdienst in etwa korrekt?\r\n6. Sozialabz\u00fcge der Monate vergleichen: Je h\u00f6her \r\n   der Bruttolohn, desto h\u00f6her die Sozialabz\u00fcge.\r\n7. Sch\u00e4tzen: Ist der Auszahlungsbetrag in etwa korrekt? \r\n   Dazu Bruttolohn und Auszahlungsbetrag vergleichen. \r\n   Steigt der Bruttolohn so steigt auch der Auszahlungs-\r\n   betrag, allerdings etwas weniger.\r\n<\/pre>\n<h2>2.6 \u00dcbungsphase<\/h2>\n<p>Zu \u00dcbungszwecken verglichen dann die Lernenden einzeln oder im Gespr\u00e4ch mit ihren Nachbarn ihre eignen Lohnabrechnungen der letzten beiden Monate. Diejenigen, welche keine eigenen Beispiele mitgebracht hatten, erhielten weitere fiktive Beispiele zum Vergleichen. Dabei zeigte sich, dass nicht alle die modellhafte Vorf\u00fchrung des professionellen Vorgehens auf Anhieb verstanden hatten, sondern hier und da nochmals eine Erkl\u00e4rung ben\u00f6tigten.<\/p>\n<p>Eine Schwierigkeit bei der Arbeit an den mitgebrachten Beispielen war die Vielfalt der darauf aufgef\u00fchrten Zulagen und der unterschiedlichen Begriffe daf\u00fcr. Hier musste RW immer wieder helfend mitdiskutieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr diesen Schritt standen 20 Minuten zur Verf\u00fcgung. Lernende, welche mit der Aufgabe eher unterfordert waren, begannen oft selbstst\u00e4ndig (oder nach einem entsprechenden Hinweis von RW), die einzelnen Posten auf ihren Abrechnungen rechnerisch nachzupr\u00fcfen \u2013 etwa ob die Sozialabz\u00fcge korrekt berechnet waren. \u00dcberrascht musste RW dabei feststellen, dass viele Lernenden nicht wussten, dass sich auf ihrem Smartphone eine Taschenrechner finden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die vorgeschlagene Methode, die Richtigkeit der Abrechnung grob abzusch\u00e4tzen, war f\u00fcr alle Lernenden gut zug\u00e4nglich, so dass auch die Schw\u00e4cheren prinzipiell zu einem Erfolgserlebnis kamen. Allerdings schienen einige von ihnen die Vorstellung, dass es in der Schule beim Rechnen um exakte Resultate geht, so verinnerlicht zu haben, dass sie nicht beim Sch\u00e4tzen stehen bleiben wollten. Sie versuchten sich an Berechnungen und scheiterten dann. Nach RWs Eindruck entstand das Problem teilweise dadurch, dass es nicht ganz einfach zu vermitteln ist, dass das Ziel des Unterrichts wirklich der Gebrauch im Alltag ist.<\/p>\n<h2>2.7 Spickzettel<\/h2>\n<p>Abschliessend erarbeiten die Lernenden je f\u00fcr sich einen Spickzettel. Dieser sollte ihnen helfen, kommende Lohnabrechnung zu verarbeiten. Die Lernenden waren frei, wie sie diesen Spickzettel gestalten wollten. RW regte einfach an, dass sie in irgendeiner Form die Schritte des modellhaften Vorgehens aufnehmen sollten. Es standen daf\u00fcr etwa 15 Minuten zu Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Allen Lernenden mussten einen Spickzettel anfertigen. Verschiedene fanden diesen Schritt aber ziemlich \u00fcberfl\u00fcssig, da sie der Meinung waren, sie h\u00e4tten bereits alles bestens begriffen. Andere waren der ganzen Idee gegen\u00fcber etwas misstrauisch, v.a. als noch bekannt wurde, dass sie den Spickzettel im anschliessenden Schlusstest w\u00fcrden brauchen k\u00f6nnen. Ihre Vorstellung, wie Schule funktioniert, liess sich damit schlecht in \u00dcbereinstimmung bringen. Auch hier zeigt sich wieder die Schwierigkeit, zu vermitteln, dass es um den Gebrauch im Alltag geht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3407\" style=\"border: 0pt none;\" src=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Spick_1_klein.jpg\" alt=\"Spick_1_klein\" width=\"400\" height=\"411\" srcset=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Spick_1_klein.jpg 400w, https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Spick_1_klein-292x300.jpg 292w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Abbildung 5: Spickzettel mit Merkregel<\/p>\n<p>Alle Lernenden notierten auf ihrem Spickzettel den von RW modellierten Ablauf in mehr oder weniger ausf\u00fchrlichen Form. Einige f\u00fcgten einen kleinen Merksatz hinzu, wie im Beispiel in Abbildung 5. Viele nahmen dazu noch Begriffskl\u00e4rungen auf, die sie im Laufe des der vorangegangenen Schritte gesammelt hatten, wie im Beispiel in Abbildung 6.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3408\" style=\"border: 0pt none;\" src=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Spick_2_klein.jpg\" alt=\"Spick_2_klein\" width=\"400\" height=\"411\" srcset=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Spick_2_klein.jpg 400w, https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Spick_2_klein-292x300.jpg 292w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Abbildung 6: Spickzettel mit Begriffskl\u00e4rung<\/p>\n<h2>2.8 Gebrauch im Alltag diskutieren<\/h2>\n<p>Als Hausaufgabe erhielten die Lernenden den Auftrag, weitere bereits vorhandene Lohnabrechnungen oder ihre n\u00e4chste Lohnabrechnung (welche bei einigen Klassen kurz nach der bisher geschilderten Unterrichtsequenz f\u00e4llig war) entsprechend zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Eine Woche sp\u00e4ter brachten sie wieder ihre neuen und alten Abrechnungen in den Unterricht mit. Sie diskutierten in 3-er Gruppen ihre Erfahrungen, die sie zuhause mit der neunen Lohnabrechnung gemacht hatten, und stellten dann ihre Ergebnisse der Klasse vor. Diese Aufgabe wurde in den verschiedenen Klassen unterschiedlich gewissenhaft angegangen. In einigen Klassen setzten sich die Lernenden wirklich intensiv damit auseinander. Andere Klassen waren in der Wahrnehmung von RW mehr \u201epr\u00fcfungsorientiert\u201c und sahen keinen Sinn darin, nochmals zu \u201e\u00fcben\u201c, wenn sie das Prinzip doch schon begriffen hatten.<\/p>\n<p>Es traten keine grunds\u00e4tzlich neuen Schwierigkeiten auf. Einzig in den F\u00e4llen, in denen auf der neuen Lohnabrechnung ein 13. Monatslohn aufgef\u00fchrt war, der gew\u00f6hnlich im November oder Dezember ausbezahlt wird, ergaben sich einige Fragen. Unter anderem gab die Tatsache, dass die Lernenden, welche alle erst seit etwa 5 Monaten in dieser Anstellung waren, keinen ganzen, sondern nur einen anteilm\u00e4ssigen 13. Monatslohn erhielten, etwas zu reden und zu \u00fcberlegen.<\/p>\n<h1>3 Der Schlusstest<\/h1>\n<p>Anschliessend an die Lernsequenz fand als Schlusstest eine typische schulische Pr\u00fcfung in der darauffolgenden Schulwoche statt. Die Lernenden erhielten zwei weitere fiktive Lohnabrechnungen \u00e4hnlich der in Abbildung 1 und dazu folgende Aufgaben. Bei der Bearbeitung konnten sie den in Schritt 7 der Lernsequenz erarbeiteten Spickzettel verwenden.<\/p>\n<pre>Ihnen wird in zwei Monaten je ein etwas anderer Lohn \r\nausbezahlt. \u00dcberpr\u00fcfen Sie anhand der beiden Lohnab-\r\nrechnungen, ob das korrekt ist oder ob ein Fehler gemacht \r\nwurde.\r\n1. Woher kommt der Unterschied zwischen den beiden \r\n   Lohnabrechnungen? (4)\r\n2. Ist die Gr\u00f6sse des Unterschieds (ungef\u00e4hr) korrekt? (4)\r\n3. Halten Sie schriftlich fest, wie Sie die Aufgabe \r\n   gel\u00f6st haben! (6)\r\n4. Sind beim L\u00f6sen der Aufgabe Schwierigkeiten \r\n   aufgetreten? Wenn ja, welche?<\/pre>\n<p>F\u00fcr ihre L\u00f6sungen konnten sie nach folgendem Schema Punkte sammeln:<\/p>\n<pre><strong>Auftrag 1\r\n<\/strong>Unterschied lokalisiert:           2 Punkte\r\nUnterschied richtig beschrieben:   2 Punkte\r\n<strong>Auftrag 2\r\n<\/strong>Korrekte Antwort, ob Lohnabrechnungen \r\n   korrekt sind oder nicht:        2 Punkte\r\nErgebnisse aussagekr\u00e4ftig:         2 Punkte\r\n<strong>Auftrag 3\r\n<\/strong>Aufgabe gem\u00e4ss Spick gel\u00f6st:       4 Punkte\r\nAntworten sind plausibel:          2 Punkte<\/pre>\n<p>Maximal waren also 14 Punkte m\u00f6glich. Ab 8.5 Punkten wurde der Test als bestanden, d.h. die Leistung als gen\u00fcgend bewertet. Dies entspricht der an dieser Schule \u00fcblichen Regelung, dass 60% der maximal m\u00f6glichen Punktzahl f\u00fcr eine gen\u00fcgende Note ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n<p>Auch bei dieser Schlusspr\u00fcfung war ein gewisses Misstrauen dem ganzen Vorgehen gegen\u00fcber zu sp\u00fcren. Einige Lernende konnten sich einfach nicht vorstellen, dass tats\u00e4chlich das gepr\u00fcft wird was gelehrt wurde. Sie erwarteten irgendeine \u201eFalle\u201c und f\u00fchlten sich dann nicht ganz ernst genommen, als dies ausblieb.<\/p>\n<p>Die meisten Lernenden erreichten die geforderte Punktzahl. (F\u00fcr eine detailliertere Analyse der Resultate aus drei der f\u00fcnf Klassen vgl. <a href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/einbettung\/eintrittstest-und-situiertes-lernen\/\"><em>Eintrittstest und situiertes Lernen<\/em><\/a>). Einige Lernenden hatten etwas mehr M\u00fche, als n\u00f6tig gewesen w\u00e4re, weil sie keinen brauchbaren Spickzettel geschrieben hatten oder weil sie diesen gar nicht mitbrachten. Andere wollten unbedingt etwas berechnen, obwohl dies nicht verlangt war, verrannten sich dabei und brachten sich so um m\u00f6gliche Punkte.<\/p>\n<p>Bei der vierten Frage, welche die Lernenden beantworten sollten, ging es um eine Selbsteinsch\u00e4tzung ihrer Leistung: \u201eSind beim L\u00f6sen der Aufgabe Schwierigkeiten aufgetreten?\u201c. Hier zeigte sich, wie nach der Erfahrung von RW \u00fcblich, dass die schw\u00e4cheren Lernenden M\u00fche haben, sich realistisch einzusch\u00e4tzen und oft keine Schwierigkeiten sahen, obwohl ihre Leistung eher schwach war.<\/p>\n<h1>4 Anhang: Lektionenplanung<\/h1>\n<p>Eine detaillierte Planung findet sich in der <a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht%20Schritte\/Lohnabrechnung.pdf\" target=\"_blank\">pdf-Version<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>pdf Ren\u00e9 W\u00fcthrich (im folgenden RW) hat die hier beschriebene Lernsequenz nun schon mit f\u00fcnf Klassen Assistentinnen Gesundheit und Soziales EBA durchgef\u00fchrt und auf Grund seiner Erfahrungen immer wieder ein bisschen weiter entwickelt. 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