{"id":3316,"date":"2016-02-19T13:21:14","date_gmt":"2016-02-19T12:21:14","guid":{"rendered":"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=3316"},"modified":"2016-02-19T20:42:30","modified_gmt":"2016-02-19T19:42:30","slug":"broetchen-aufbacken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/didaktisches-grundmodell\/acht-schritte\/beispiele\/broetchen-aufbacken\/","title":{"rendered":"Br\u00f6tchen aufbacken"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht%20Schritte\/Broetchen_aufbacken.pdf\" target=\"_blank\">pdf<\/a> <em>Eine nicht ganz orthodoxer, aber sehr spannender und anregender Umsetzungsversuch der Acht Schritte. Im Folgenden ist in <\/em>Normalschrift <em>Schritt um Schritt beschrieben, was jeweils geschah. Kursiv folgen dann einige Kommentare meinerseits. Ganz am Schluss findet sich eine Zusammenfassung, der man vor allem entnehmen kann, warum ich dies eine sehr anregende Umsetzung finde.<\/em><\/p>\n<h1>0 Einleitung<\/h1>\n<p>Anlass f\u00fcr diesen Versuch war ein zweit\u00e4giger Kurs zu Mathematikdidaktik sowohl f\u00fcr Regellehrpersonen wie f\u00fcr St\u00fctzkurslehrende an Berufsfachschulen. Am ersten Tag gab es etwas theoretischen Hintergrund so wie eine Einf\u00fchrung in die\u00a0<a href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=2414\"><em>Acht Schritte<\/em><\/a>. Die Teilnehmenden hatten den Auftrag, auf den zweiten Tag hin (6 Wochen sp\u00e4ter) eine Umsetzung zu versuchen und dort dann davon zu erz\u00e4hlen. Wir baten sie, sich dazu in Tandems zusammenzutun. Thierry Clerc und Margrit Walther l\u00f6sten diesen Auftrag radikal, indem sie vor\u00fcbergehend je eine ihrer Klassen zusammenlegten.<\/p>\n<p>Thierry Clerc: Er arbeitet im \u201eMotivationssemester\u201c (SEMO), einem Br\u00fcckenangebot vor dem Einstieg in die Berufsbildung. In seiner Klasse waren 10 junge M\u00e4nner und zwei junge Frauen mit franz\u00f6sischsprachigem Hintergrund und Thierrys Unterricht erfolgt normalerweise auch in Franz\u00f6sisch. Diese Jugendlichen waren dabei, f\u00fcr sich den passenden Beruf zu finden.<\/p>\n<p>Margrit Walther: Sie arbeitet als Berufsfachschullehrerin im Bereich Detailhandel, bildet also Verk\u00e4ufer und Verk\u00e4uferinnen aus. In ihrer Klasse waren sieben junge Frauen und ein Mann mit deutschsprachigem Hintergrund, welche sich im ersten Jahr der zweij\u00e4hrigen beruflichen Grundbildung zur Detailhandelsassistentin bzw. zum Detailhandelsassistent (DHA) befanden.<\/p>\n<p>Das Folgende spielte sich an zwei Nachmittagen zu je 4 Lektionen ab.<\/p>\n<h1>1 Warten, bis die Lernenden mit der Situation schon Erfahrungen gemacht haben<\/h1>\n<p><em>Beim gew\u00e4hlten Arrangement war dieser \u201eSchritt\u201c im w\u00f6rtlichen Sinn nicht umsetzbar. Die Teilnehmer aus dem SEMO hatten selbst noch nie im Detailhandel gearbeitet und damit keine aktive Erfahrung als Verk\u00e4ufer und Verk\u00e4uferinnen. Die beiden Lehrpersonen beschlossen, das Zusammentreffen der beiden Klassen daf\u00fcr zu nutzen, dass die DHA den SEMO-Teilnehmern von ihren Erfahrungen in ihren beruflichen Alltag erz\u00e4hlen und diesen so einen Einblick in die Arbeit einer DHA gew\u00e4hren \u2013 ganz im Sinne des Orientierungsprozesses, in dem sich die SEMO-Teilnehmenden ja befanden.<\/em><\/p>\n<p>Als Vorbereitung stellte Margrit Walter im Gespr\u00e4ch mit Thierry Clerc sechs typische Situationen aus der Arbeit einer Detailhandelsassistentin zusammen, die alle auch etwas mit Rechnen\/Mathematik zu tun haben:<\/p>\n<ol>\n<li>Vorstellen eines Produkts (pr\u00e9sentation\/argumentation d\u2019un produit)<\/li>\n<li>Einkassieren\/Retourgeld (encaissement\/retour de l\u2019argent)<\/li>\n<li>Preis\/Rabatt\/Aktionspreis (prix\/rabais\/prix d\u2019appel)<\/li>\n<li>Reklamation\/L\u00f6sung (r\u00e9clamation\/solution)<\/li>\n<li>Verkaufsf\u00f6rdernde Massnahmen (mesures promotionnelles)<\/li>\n<li>Gepflegtes Auftreten (soins de la personnalit\u00e9)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Am ersten Nachmittag wurden diese Situationen als Einstieg zweisprachig vorgestellt.<\/p>\n<h1>2 Die Lernenden schildern ihre Erfahrungen<\/h1>\n<p>Die Lernenden teilten sich in sechs Gruppen auf, bestehend aus Lernenden beider Klassen. Jede der Gruppen nahm sich einer der vorbereiteten Situation an und die DHA schilderten in Deutsch als Expertinnen und Experten, was sich aus ihrer Sicht in der entsprechenden Situation abspielt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend mehrerer Phasen des ganzen Ablaufs waren \u00fcbrigens noch zus\u00e4tzlich die beiden Lehrpersonen f\u00fcr Deutsch und f\u00fcr Franz\u00f6sisch anwesend. Bei allf\u00e4lligen \u00dcbersetzungsproblemen zwischen Deutsch und Franz\u00f6sisch konnten alle Lehrpersonen helfend eingreifen.<\/p>\n<p><em>Damit Schritt 2 funktioniert, m\u00fcssen nicht zwingend alle Lernenden die Situation schon erlebt haben. Gut und lebhaft erz\u00e4hlte Geschichten der Lernenden, welche die Situation kennen, k\u00f6nnen bei den anderen die fehlenden Erfahrungen bis zu einem gewissen Grad ersetzen. Wichtig ist einfach, dass die Erz\u00e4hlenden gen\u00fcgend Platz bekommen, die Situation durch ihre Schilderungen im Schulzimmer lebendig werden zu lassen. In diesem Fall d\u00fcrfte dies der Fall gewesen sein, da die DHA in jeder Gruppe ihre Erfahrungen so lange und breit schildern konnte, wie die anderen beiden Gruppenmitglieder zuh\u00f6ren mochten. Es fand ein intensiver Erfahrungsaustausch in zwei Sprachen statt.<\/em><\/p>\n<h1>3 Die Lernenden l\u00f6sen eine mittelschwere Aufgabe<\/h1>\n<p>Die Gruppen entschieden dann unter Mitthilfe der Lehrpersonen, welche mathematisch\/rechnerische Herausforderung ihrer jeweiligen Situation sie anpacken wollten.<\/p>\n<p>Bei der Gruppe, welche die Situation \u201eVerkaufsf\u00f6rdernde Massnahmen\u201c behandelte, arbeitete die DHA, eine junge Frau, in einer Tankstelle mit integriertem Shop und Kaffeebar. Zu ihren Aufgabenbereichen z\u00e4hlt das morgendliche Aufbacken verschiedener Backwaren wie Br\u00f6tchen, kleine Pizzas, mehrere Brotsorten etc. Die Gruppe beschloss eine Grafik zu entwickeln, aus der sich die verschiedenen Angaben zu den einzelnen Produkten wie Backzeit, Abk\u00fchlzeit, Backtemperatur und Preis ablesen lassen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3323\" src=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Broetchen_Gpahik_original_web.jpg\" alt=\"Broetchen_Gpahik_original_web\" width=\"220\" height=\"167\" \/><\/p>\n<p>Abbildung 1: Die Pr\u00e4sentation der Graphik durch die Lernenden<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3324\" src=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Broetchen_Graphik_Web.jpg\" alt=\"Broetchen_Graphik_Web\" width=\"450\" height=\"205\" srcset=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Broetchen_Graphik_Web.jpg 450w, https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-content\/uploads\/Broetchen_Graphik_Web-300x137.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p>Abbildung 2: Die Graphik zum Vergleich verschiedener Aufbackprodukte nachgestellt<\/p>\n<p>Treibende Kraft bei dieser Entwicklung waren vor allem die beiden SEMO-Teilnehmer, zwei junge M\u00e4nner. Die Frau hatte ein eher distanziertes Verh\u00e4ltnis zu Rechnen\/Mathematik und beschr\u00e4nkte sich darauf, die notwendigen Hintergrundinformationen und praktische Tipps zu liefern.<\/p>\n<p><em>Das Vorgehen hier nutzt noch radikaler die <\/em><a href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/didaktisches-grundmodell\/die-lernenden-als-quelle-von-aufgaben\/\"><em>Lernenden als Quelle von Aufgaben<\/em><\/a><em>, als dies bei den Acht Schritten angedacht ist<\/em><em>. Wie das Beispiel noch zeigen wird, kann das zu sehr kreativen Resultaten f\u00fchren.<\/em><\/p>\n<h1>4 Gemeinsam die L\u00f6sungen der Lernenden kritisch besprechen<\/h1>\n<p>Die Gruppen stellten ihre Situation und ihre Bearbeitung der Situation reihum dar.<\/p>\n<p>Bei der Gruppe, welche sich mit den Backzeiten etc. besch\u00e4ftigt hatte, beschrieb die DHA zuerst die Situation (auf Deutsch). Sie erkl\u00e4rte, dass Brote und Backwaren einen wichtigen Teil ihres Sortiments ausmachen und dass die erste Schicht deshalb schon um 4.30 Uhr mit dem Aufbacken beginnt, so dass bis sp\u00e4testens 10 Uhr von jeder Sorte 20 St\u00fcck vorhanden sind. Jede Backware wird nach einem eignen Programm (Backzeit, Temperatur etc.) behandelt und dabei ist es ganz wichtig, dass man die Backwaren nach dem Backen doppelt so lange ruhen l\u00e4sst, wie sie im Ofen waren. Das gilt selbstverst\u00e4ndlich nicht f\u00fcr Backwaren, die warm verkauft werden, wie kleine Pizzas oder Schinkengipfel. Einer der SEMO-Teilnehmer fasste anschliessend die Pr\u00e4sentation auf Franz\u00f6sisch zusammen.<\/p>\n<p>Der zweite SEMO-Teilnehmer leitete dann \u00fcber zum mathematischen Aspekt der Situation. Eingangs erw\u00e4hnte er, dass es nicht ganz einfach gewesen war, eine \u201emathematische\u201c Problematik zu finden. Anschliessend stellte er die von ihnen entwickelt Graphik vor (s.o.). Grundlage daf\u00fcr war eine Liste aller Backprogramme, welche die DHA mitgebracht hatte. Die wesentliche Herausforderung war es gewesen, die verschiedenen Daten mit ihren verschiedenen Skalen in ein Bild zu bringen.<\/p>\n<p><em>Da hier jede Gruppe an einer anderen Situation arbeitete, kam es hier nicht zu einem Vergleich der verschiedenen Zugangsweisen der einzelnen Gruppen \u2013 wie bei den Acht Schritten vorgesehen \u2013 sondern jede Gruppe, jede Situation wurde unabh\u00e4ngig von den anderen behandelt. Dabei kam es zu einem fliessenden \u00dcbergang von Schritt 4 zu Schritt 5.<\/em><\/p>\n<h1>5 Das Werkzeug an realistischem Beispiel modellhaft demonstrieren<\/h1>\n<p>W\u00e4hrend und anschliessend zu den Pr\u00e4sentationen der einzelnen Gruppen beteiligten sich im Plenum alle gemeinsam an der Weiterentwicklung der jeweiligen Ideen bis eine praktikable L\u00f6sung gefunden wurde.<\/p>\n<p>Bei der Gruppe mit den Backwaren stellt sich im Verlaufe dieses Prozesses heraus, dass man die Graphik nutzen kann, um Produkte zu finden, die gleichzeitig gebacken werden k\u00f6nnen, da bei ihnen die wesentlichen Daten identisch sind. V.a. die beiden SEMO-Teilnehmer der Gruppe waren der Meinung, dass sich solche Produkte mit gleichen Programmen anhand der Graphik leichter finden lassen, als wenn man nur die Zahlen in der urspr\u00fcnglichen Liste vergleicht.<\/p>\n<p><em>Hier wird an Stelle des Modellierens des professionellen Vorgehens durch die Lehrperson in der Klasse gemeinsam eine gangbare Vorgehensvariante erarbeitet. Das kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn die Vorschl\u00e4ge der einzelnen Gruppen bereits alle relevanten Aspekte enthalten, so dass ein Input durch die Lehrperson redundant w\u00e4re. <\/em><\/p>\n<h1>6 Die Lernenden \u00fcben mit selbst erfunden Beispielen<\/h1>\n<p>Die Gruppen bearbeiteten aufgrund der erarbeiteten Vorgehensweisen ein zweites, \u00e4hnliches Problem. Anschliessend tauschten sich je zwei Gruppen aus und jede Gruppe versuchte, ein Problem der anderen Gruppe zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p><em>F\u00fcr die Arbeit an der eigenen Situation entspricht dieses Vorgehen dem, was in den Acht Schritten vorgesehen ist. Da dort normalerweise alle Gruppen an derselben Situation arbeiten, heisst das, dass wenn sich die Gruppen gegenseitig Aufgaben stellen, jede Gruppe trotzdem an der Situation arbeitet, welche schon seit Schritt 2 im Zentrum steht. Dies war hier nicht der Fall, d.h. mit der \u00dcbernahme einer Aufgabe einer anderen Gruppe mussten sich alle Gruppen in eine neue Situation hineindenken ohne vorher selbst aktiv die Schritte 3 und 4 durchgef\u00fchrt zu haben. Wie die Studie zum <\/em><a href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/didaktisches-grundmodell\/produktives-scheitern\/\"><em>Produktiven Scheitern<\/em><\/a><em> zeigt<\/em><em>, sind diese beiden Schritte aber wesentlich f\u00fcr das Gelingen des ganzen Ablaufs der Acht Schritte, so dass zu erwarten ist, dass die Gruppen von dieser zweiten Aufgabe nicht gross profitiert haben.<\/em><\/p>\n<h1>7 Die Lernenden erarbeiten einen Spickzettel<\/h1>\n<p>Die Gruppen erarbeiteten als Vorbereitung f\u00fcr Schritt 8 Unterlagen, anhand derer die DHA-Lernenden im Betrieb das Erarbeitete zusammen mit ihren Berufsbildnern besprechen und dann allenfalls auch anwenden konnten.<\/p>\n<p><em>In der Grundform gehen die Acht Schritte davon aus, dass die Lernenden versuchen, das Behandelte relativ selbstst\u00e4ndig im Betrieb zu nutzen. Der Spickzettel sollte also eine Form haben, die sie dabei unterst\u00fctzt. Aber nat\u00fcrlich kann es gerade bei komplexeren Situationen sinnvoll sein, dass sich die Lernenden bei den Umsetzungsversuchen bei ihren Berufsbildnern Hilfe holen. Und dann muss der Spickzettel so gestaltet sein, dass er als Grundlage f\u00fcr eine Besprechung dienen kann.<\/em><\/p>\n<h1>8 Gemeinsam die Anwendung im Betrieb diskutieren<\/h1>\n<p>Die DHA besprachen einzeln in ihren Betrieb das Erarbeitete mit ihren Berufsbildner.<\/p>\n<p>Bei der Lernenden, welche die Situation mit den Backwaren bearbeitet hatte, hatte dieses Gespr\u00e4ch ganz konkrete Konsequenzen. In der Graphik war ersichtlich, dass die Schinkengipfel und die kleinen, mit einer Tomatenscheibe belegten Pizzas, gleich lang aufgebacken werden m\u00fcssen (E und G in Abbildung 2). Im Betrieb wurde daher beschlossen, diese von nun an gemeinsam in den Ofen zu schieben. Dadurch verk\u00fcrzte sich die morgendliche Vorbereitungszeit um einige Minuten.<\/p>\n<p><em>Schritt 8 ist im Rahmen der Acht Schritte vorgesehen, da typischerweise beim Einsatz des Gelernten im realen Berufsalltags kleinere und gr\u00f6ssere Schwierigkeiten auftreten, die so nicht vorherzusehen waren und f\u00fcr die eine L\u00f6sung gefunden werden muss. Es kann dabei durchaus geschehen, dass Schritt 8 mehr Zeit beansprucht als alle anderen sieben Schritte zusammen. Hier war das nicht der Fall, da die Arbeit an der Situation ein konkretes Produkt erbracht hat (Schinkengipfel und Mini-Pizzas k\u00f6nnen gleich behandelt werden), das ohne Schwierigkeiten genutzt werden konnte. Ob die Graphik und deren Gebrauch l\u00e4ngerfristig \u2013 d.h. wenn neue Produkte hinzukommen und alte aus dem Sortiment verschwinden \u2013 so unproblematisch ist, wird sich erst zeigen m\u00fcssen.<\/em><\/p>\n<h1>9 Zusammenfassung<\/h1>\n<p>Das Beispiel illustriert einen \u00e4usserst kreativen Einsatz der <em>Acht Schritte, <\/em>weit jenseits dessen, was ich bei der Entwicklung dieses didaktischen Arrangements im Auge hatte.<\/p>\n<p>Es werden u.a. verschiedene Ziele angestrebt und wohl auch erreicht, welche nichts mit Fachrechnen im eigentlichen Sinn zu tun haben: Die SEMO Teilnehmenden setzen sich recht intensiv mit einem bestimmten Beruf auseinander, die DHA erhalten eine Gelegenheit ihre Arbeit darzustellen und so zu reflektieren. Und alle \u00fcben sich im bilingualen Austausch. Nur schon deshalb war der Versuch sicher die darin investierte Zeit wert.<\/p>\n<p>Ob bez\u00fcglich Zielen im Zusammenhang mit Fachrechnen im engeren Sinn etwas erreicht wurde, ist schwierig abzusch\u00e4tzen. Da sechs Situationen parallel behandelt wurden, konnten vermutlich die Lernenden keine Kompetenzen erwerben, die wesentlich \u00fcber ihre schon vorhandenen hinausgehen. Der ganze Ablauf enth\u00e4lt aber ein paar Varianten zur Grundform der Acht Schritte, welche bedenkenswert sind:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Schritt 3, die Lernenden stellen sich die Aufgabe selbst:<\/strong> Die Grundform der Acht Schritte geht davon aus, dass aus dem Lehrplan oder aus der Erfahrung der Lehrperson abgeleitet wird, welche Berechnungen f\u00fcr die im Fokus stehende Situation relevant sind und behandelt werden m\u00fcssen. Es kann aber durchaus sein, dass die Lernenden genau mit diesem Aspekt der Situation keine Probleme haben, daf\u00fcr andere Punkte schwierig finden. Dies kann man kl\u00e4ren, indem man im Verlauf von Schritt 2 entsprechend die Lernenden danach fragt, ob und welche Berechnungen ihnen in der fokussierten Situation Schwierigkeiten bereiten (vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/schienen\/\"><em>das Schienenmodell<\/em><\/a>). Sind das andere, als gedacht, und will man darauf eingehen, dann muss man f\u00fcr Schritt 3 ad hoc eine entsprechende Aufgabe erfinden. Typischerweise ergibt sich eine solche direkt aus den Erz\u00e4hlungen der Lernenden.<\/li>\n<li><strong>Schritt 5, die ganze Klasse erarbeitet ein brauchbares Vorgehen:<\/strong> Vor allem, wenn die in Schritt 4 vorgestellten Varianten bereits alle relevanten Punkte abdecken, ist eine modellhaftes Vormachen durch die Lehrperson \u00fcberfl\u00fcssig. Dann kann das professionelle Vorgehen direkt gemeinsam formuliert und erlebt werden.<\/li>\n<li><strong>Schritt 7, der Spickzettel wird im Hinblick auf eine Besprechung geschrieben:<\/strong> Vor allem bei komplexeren Situationen kann es sinnvoll sein, dass man die Lernenden auffordert, sich f\u00fcr Umsetzungsversuche explizit Hilfe zu holen. Dann muss der Spickzettel in erster Linie einmal eine gute Unterlage f\u00fcr ein entsprechendes Gespr\u00e4ch bilden. Eine zweite Variante eines Spickzettels \u2013 als Unterst\u00fctzung f\u00fcr das selbstst\u00e4ndige Weiterarbeiten \u2013 kann dann bei Bedarf sp\u00e4ter noch erstellt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Beispiel illustriert dar\u00fcber hinaus, dass auch auf Sekundarstufe I die Schule eine Funktion \u00fcbernehmen kann, wie man sie sonst eher auf der Terti\u00e4rstufe erwartet. Es gelingt hier im Unterricht, eine Situation aus dem Betrieb \u2013 das Aufbacken der verschiedenen Produkte \u2013 so aufzuarbeiten und zu <a href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/iml2\/wissen-gebrauchen\/die-funktionen-des-deklarativen-systems-im-zusammenspiel-mit-dem-situativen-system\/\">reflektieren<\/a>, dass daraus ein direkter Nutzen f\u00fcr den Betrieb entsteht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>pdf Eine nicht ganz orthodoxer, aber sehr spannender und anregender Umsetzungsversuch der Acht Schritte. Im Folgenden ist in Normalschrift Schritt um Schritt beschrieben, was jeweils geschah. Kursiv folgen dann einige Kommentare meinerseits. 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