{"id":3216,"date":"2015-07-02T14:12:46","date_gmt":"2015-07-02T13:12:46","guid":{"rendered":"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=3216"},"modified":"2015-07-03T09:25:27","modified_gmt":"2015-07-03T08:25:27","slug":"schraege-leitungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/didaktisches-grundmodell\/acht-schritte\/beispiele\/schraege-leitungen\/","title":{"rendered":"Die L\u00e4nge schr\u00e4ger Leitungen \u2013 ein Beispiel in Acht Schritten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht Schritte\/Schraege_Leitungen.pdf\" target=\"_blank\">pdf<\/a> \u00a0\u00a0<em> Das Folgende sind kommentierte Ausz\u00fcge aus einem Kompetenznachweis, einer recht <a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht Schritte\/Kompetenznachweis_Benjamin_Roth_Schraege_Leitungen.pdf\" target=\"_blank\">umfangreichen schriftlichen Arbeit<\/a> plus <a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht%20Schritte\/Kompetenznachweis_Benjamin_Roth_Unterlagen.pdf\" target=\"_blank\">Anhang<\/a><\/em>. Die Textteile in Normalschrift stammen von Benjamin Roth. <em>Die Anmerkungen in Kursivschrift von Hansruedi Kaiser.<\/em><\/p>\n<p><em>Bei diesem Beispiel handelt es sich um eine sehr gut gelungene Umsetzung der Grundideen der Acht Schritte, welche nur in ganz wenigen Punkten von der Ideallinie abweicht \u2013 siehe dazu die eingeschobenen Kommentare.<\/em><\/p>\n<h1>1 \u00a0\u00a0\u00a0 Einleitung<\/h1>\n<p>Im Rahmen meiner Ausbildung am EHB lernte ich im Modul \u201eBerufsfelddidaktik\u201c das 8-Schritte Modell kennen. Dieses didaktische Unterrichtsmodell vernetzt den Berufskundeunterricht mit betrieblichen Erfahrungen der Lernenden. Das Modell baut den Unterricht auf erlebten Situationen von den Lernenden auf und will damit Verkn\u00fcpfungen zwischen den beiden Lernorten Betrieb und Schule herstellen. Anl\u00e4sslich des Selbststudiums ging es darum, das 8-Schritte Modell im Fachkundeunterricht mit einem Studienkollegen umzusetzen. Dabei sollte der Unterricht geplant, beobachtet und anschliessend reflektiert werden. Die gemachten Erfahrungen wurden in einem schriftlichen Bericht verfasst und den Dozenten zur Verf\u00fcgung gestellt. In der zweitletzten Veranstaltung wurden die Ergebnisse aus der Umsetzung durch die unterschiedlichen Lerntandems vorgestellt. Dabei war es interessant zu sehen, dass die anderen Lerntandems bei Ihrer Umsetzung auf \u00e4hnliche Schwierigkeiten gestossen sind und sich teilweise \u00e4hnliche Erkenntnisse ergaben.<\/p>\n<p>Gearbeitet habe ich mit einer Klasse von 22 Lernenden in der Ausbildung zum Sanit\u00e4rinstallateur\/zur Sanit\u00e4rinstallateurin. Der Unterricht fand wenige Wochen nach Ausbildungsbeginn statt.<\/p>\n<h1>2 \u00a0\u00a0\u00a0 Durchf\u00fchrung<\/h1>\n<p>Bevor ich mit der Planung des 8-Schritte Modells beginnen konnte, musste ich zuerst nach einen geeigneten Lerngegenstand suchen, der sich f\u00fcr die konkrete Umsetzung eignet. Ich entschied mich dabei f\u00fcr Berechnungen am rechtwinkligen Dreieck mit Hilfe des Satzes von Pythagoras, respektive mit Hilfe von Faktorentabellen. Ziel dabei ist, dass die Lernenden in der Praxis wie auch in der Berufsfachschule schr\u00e4g verlaufende Leitungen berechnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Die Grundidee der Acht Schritte w\u00e4re nat\u00fcrlich, dass am Anfang eine Berechnungssituation steht und nicht ein \u201eLerngegenstand\u201c, f\u00fcr den man dann eine Anwendung sucht. Dass es hier anders ist, ist typisch f\u00fcr eine erste Umsetzung. Nachdem eine Berechnungssituation gefunden wurde, bleibt sie hier dann aber im Fokus &#8211; anders als bei vielen ersten Umsetzungen. Nur an ganz wenigen Stellen zeigt sich, dass der <\/em>Lerngegenstand <em>und nicht die <\/em>Berechnungssituation <em>am Anfang stand.<\/em><\/p>\n<h2>2.1 Erfahrungen sammeln<\/h2>\n<p>Mindestens ein Drittel der Lernenden sollten mit der Situation bereits Erfahrung gemacht haben, damit diese im Unterricht lebhaft wird und die anderen Lernenden zuh\u00f6ren. Da die Lernenden aber zu Beginn ihrer beruflichen Grundbildung, d.h. nach sieben Wochen, eher wenig Erfahrung sammeln konnten, musste ich diesen Aspekt bei der Planung zwingend ber\u00fccksichtigen. Ich kl\u00e4rte im Vorfeld ab, wie viele Lernende bereits schon Erfahrung mit schr\u00e4g verlaufenden Leitungen gemacht haben. Dabei stellte sich heraus, dass nur knapp 20% der Lernenden bereits mit einer solchen Situation in Kontakt gekommen sind. Ich entschied mich aus diesem Grund, im Vorfeld einen <a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht Schritte\/Kompetenznachweis_Benjamin_Roth_Unterlagen.pdf#page=1\" target=\"_blank\">Beobachtungsauftrag <\/a>f\u00fcr die Lernenden zu formulieren. Damit die Lernenden gen\u00fcgend Zeit hatten, eine solche Situation in der Praxis bewusst zu erleben, gab ich den Lernenden den Auftrag zwei Wochen vor den Herbstferien ab. F\u00fcr mich war damit sichergestellt, dass m\u00f6glichst viele Lernende eine Erfahrung mit der entsprechenden Situation sammeln konnten.<\/p>\n<h2>2.2 Erfahrungen schildern<\/h2>\n<p>Damit die Situation im Unterricht m\u00f6glichst lebendig wird, mussten die Lernenden etwa vier bis f\u00fcnf Fotos von dieser Situation mit ihrem Smartphone knipsen und mir per Mail senden. Ich musste beim Formulieren des Auftrags darauf achten, dass dieser f\u00fcr alle klar und verst\u00e4ndlich ist. Mein Ziel dabei war, m\u00f6glichst viel vorhandenes Fachwissen von den Lernenden in den Unterricht hinein zu holen und \u00fcber dieses gemeinsam zu sprechen.<\/p>\n<p>Ich war von den verschiedenen Erz\u00e4hlungen mit den eindr\u00fccklichen Fotos und den gesammelten Erfahrungen angenehm \u00fcberrascht. Durch die konkrete Auseinander-setzung mit dem Beobachtungsauftrag haben sich die Lernenden bewusst mit schr\u00e4g verlaufenden Leitungen in der Praxis besch\u00e4ftigt. Es war f\u00fcr mich erfreulich zu sehen, wie pflichtbewusst die Lernenden den Beobachtungsauftrag vorbereiteten. Nur zwei von 22 Lernenden konnten mir im Vorfeld keine Fotos von einer konkreten Situation schicken, was eine vorbildliche Quote ist. Interessant war auch die Tatsache, dass im Anschluss an die Erz\u00e4hlungen intensive Diskussionen in der Klasse unter den Lernenden entstanden. Dabei wurden neben den mathematischen Aspekten auch weitere wichtige Aspekte wie die dabei verarbeiteten Materialien oder auch verschiedene Montagevorschriften rege diskutiert.<\/p>\n<h2>2.3 Aufgabe bearbeiten<\/h2>\n<p>Ich musste mir bei diesem dritten Schritt intensiv \u00fcberlegen, wie eine gute Einstiegsaufgabe aussehen soll. Dabei wurde mir bewusst, dass die Einstiegsaufgabe unbedingt den Lerngegenstand im Fokus haben muss. Zus\u00e4tzlich soll die Aufgabe m\u00f6glichst praxisnah sein und das bestehende Vorwissen aktivieren. Weiter soll die Aufgabe die Lernenden herausfordern, gleichzeitig aber auch nicht \u00fcberfordern und produktives Scheitern zulassen. Nach intensiver \u00dcberlegung entschied ich mich, eine mittelschwere <a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht Schritte\/Kompetenznachweis_Benjamin_Roth_Unterlagen.pdf#page=2\" target=\"_blank\">Aufgabe <\/a>aus dem Lehrmittel zu w\u00e4hlen, die aus meiner Sicht s\u00e4mtliche Kriterien erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Die Gruppen versuchten die Aufgabe mit viel Engagement und Interesse zu l\u00f6sen. Die Einstiegsaufgabe war aus meiner Sicht gut gew\u00e4hlt und praxisbezogen. Es entstanden spannende Diskussionen in den verschiedenen Gruppen, jedoch zeigte sich auch Kl\u00e4rungsbedarf zum Thema Pythagoras. An dieser Stelle musste ich mich bewusst zur\u00fccknehmen und die Lernenden pr\u00f6beln zu lassen, obwohl ich gerne mehr geholfen h\u00e4tte. Die Gruppen waren zum Teil auf gutem Wege, die Einstiegsaufgabe vollst\u00e4ndig zu l\u00f6sen. Die Lernenden wurden durch die Aufgabe herausgefordert. Dabei sind die Lernenden produktiv gescheitert, was unglaublich effizient ist, denn genau an diesem Punkt kann ich den weiterf\u00fchrenden Unterricht aufbauen.<\/p>\n<h2>2.4 L\u00f6sungen kritisch besprechen<\/h2>\n<p>Um das genaue Vorgehen der einzelnen Gruppen analysieren zu k\u00f6nnen, musste ich mir im Vorfeld \u00fcberlegen, mit welchen m\u00f6glichen Fragestellungen ich dies erreichen kann. Weiter musste ich darauf achten, dass ich den einzelnen Gruppen f\u00fcr die Pr\u00e4sentation gen\u00fcgend Zeit zur Verf\u00fcgung stelle, die brauchbaren Ans\u00e4tze wertsch\u00e4tze und f\u00fcr den weiteren Verlauf des Unterrichts auf einem <a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht Schritte\/Kompetenznachweis_Benjamin_Roth_Unterlagen.pdf#page=11\" target=\"_blank\">Flipchart <\/a>festhalte.<\/p>\n<p>Ich war positiv \u00fcberrascht von den Pr\u00e4sentationen mit den unterschiedlichen L\u00f6sungsans\u00e4tzen. Es zeigte sich aber auch, dass verschiedene Punkte zum Teil noch nicht klar waren, diese wurden f\u00fcr den weiterf\u00fchrenden Unterricht auf einem Flipchart notiert. Zusammenfassend l\u00e4sst sich an dieser Stelle festhalten, dass es gelungen ist, Erinnerungen aus dem Betrieb in das Schulzimmer zu holen und zwischen den Lernorten Analogien herzustellen.<\/p>\n<h2>2.5 Einf\u00fchrung Werkzeuge, Professionelles Vorgehen<\/h2>\n<p>Um den Theorieteil m\u00f6glichst interessant zu gestalten, entschied ich mich im ersten Teil, eine <a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht Schritte\/Kompetenznachweis_Benjamin_Roth_Unterlagen.pdf#page=3\" target=\"_blank\">Zuordnungsaufgabe <\/a>zu den verschiedenen Dreiecksarten zu gestalten. Die Lernenden sollen dabei in Gruppen den Dreiecksarten unterschiedliche Begriffe zuordnen. Ich will damit das vorhandene Vorwissen der Lernenden aktivieren, an dieses ankn\u00fcpfen und darauf den weiteren Unterricht aufbauen. Im zweiten Teil geht es an den theoretischen Hintergrund des Lehrsatzes des Pythagoras. Ich entschied mich, diesen Teil in einem Lehrervortrag zu vermitteln. Dabei sollen neben den historischen Inputs weitere wichtige Elemente erarbeitet werden. Um den Zugang in der praktischen Anwendung zu erg\u00e4nzen, gestaltete ich eine Faktorentabelle, diese soll die Berechnungssituation wie sie auf der auf der Baustelle anzutreffen ist, erleichtern.<\/p>\n<p>Nach dem Theorieteil soll an einem Beispiel modellhaft vorgemacht werden, wie die Berechnungssituation professionell gel\u00f6st werden kann. Da die Lernenden erst k\u00fcrzlich in die berufliche Grundbildung eingetreten sind, entschied ich mich, eine durch mich <a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht Schritte\/Kompetenznachweis_Benjamin_Roth_Unterlagen.pdf#page=7\" target=\"_blank\">vorgefertigte Aufgabe<\/a> vorzugeben. Die Aufgabe soll dabei einen \u00e4hnlichen Schwierigkeitsgrad wie die Einstiegsaufgabe im Schritt drei wiederspiegeln und die Situation wie sie in der Praxis anzutreffen ist abbilden. Um die Richtigkeit der L\u00f6sung visuell beweisen zu k\u00f6nnen, habe ich im Vorfeld die zu berechnenden Dreiecke aus Karton hergestellt. Ebenfalls habe ich das schr\u00e4g verlaufende Rohrst\u00fcck als Modell im Massstab 1:1 hergestellt. Ich wollte damit garantieren, dass die Berechnungssituation f\u00fcr s\u00e4mtliche Lernende klar und zug\u00e4nglich wird.<\/p>\n<p>Im ersten Teil, der Zuordnungsaufgabe, war die ganze Klasse sehr engagiert bei der Sache um diese richtig zu l\u00f6sen. Es entstanden intensive Diskussionen zu den verschiedenen Dreiecksarten. Durch die detailliert vorbereitete Aufgabe gelang es, das vorhandene Vorwissen zu aktivieren. Die L\u00f6sung mit den K\u00e4rtchen wurde auf Anhieb und ohne meine Hilfe richtig an der Wandtafel dargestellt. Der zweite Teil wurde lehrerzentriert am Visualizer vorgetragen. Aufgrund der vorangegangenen Schritte stellte sich heraus, dass die Lernenden mit dem Thema vertraut waren. Es entfielen auch einige Fragen, welche \u00fcblicherweise bei anderen Klassen in den Vorjahren auftraten. Dadurch konnte der komplette Theorieblock straff und in einem z\u00fcgigen Tempo vermittelt werden. Durch die lehrerzentrierte Aktivit\u00e4t zeigte sich auch, dass das Interesse der Klasse etwas nachliess. Dies zeigte sich auch in Form einer etwas geringeren Beteiligung am Unterricht. Zusammengefasst war der Theorieteil sehr klar und nachvollziehbar gestaltet. Anhand des Fl\u00e4chenbeweises, konnten die Lernenden die Quadrate z\u00e4hlen und feststellen, dass der Satz des Pythagoras wirklich stimmt. Dieser Teil war zu stark durch Instruktion gepr\u00e4gt, dies meldete mir auch mein Studienkollege zur\u00fcck. Ich h\u00e4tte hier die Lernenden aktiver in den Unterricht einbeziehen m\u00fcssen, dies w\u00e4re mit einem Lehrer-Sch\u00fcler-Gespr\u00e4ch m\u00f6glich gewesen. Dies h\u00e4tte aber auch sicher mehr Zeit beansprucht.<\/p>\n<p><em>Hier im \u201eTheorieteil\u201c bricht der <\/em>Lerngegenstand <em>dann doch noch durch! Die Acht Schritte gehen von der Annahme aus, dass es an dieser Stelle nicht mehr n\u00f6tig ist, irgendetwas \u201em\u00f6glichst interessant zu gestalten\u201c. Durch die Arbeit an den vorangegangenen Schritten sollte eigentlich das Interesse der Lernenden geweckt sein, jetzt einfach einmal zuzusehen, wie ein Fachmann die Berechnungssituation bew\u00e4ltigt. Zudem gehen die Acht Schritte als didaktisches Modell f\u00fcr die Berufsbildung davon aus, dass meist gar kein \u201eTheorieteil\u201c n\u00f6tig ist. Was an \u201eTheorie\u201c ben\u00f6tigt wird, haben die Lernenden in den allermeisten F\u00e4llen schon mehrfach w\u00e4hrend der obligatorischen Schulzeit mitbekommen \u2013 so wie es sich auch in diesem Fall herausstell, \u201edass die Lernenden mit dem Thema vertraut waren\u201c. Dass \u201edas Interesse der Klasse etwas nachliess\u201c, ist daher nicht weiter verwunderlich, sondern die typische Reaktion der Lernenden auf einen \u00fcberfl\u00fcssigen Unterrichtsteil. Aus Sich der Acht Schritte w\u00e4re die Konsequenz hier nicht, die Lernenden aktiver in den Unterricht einzubeziehen, sondern den \u201eTheorieteil\u201c wegzulassen.<\/em><\/p>\n<p>Nach dem Theorieteil ging es an das modellhafte L\u00f6sen der Beispielaufgabe. Durch lautes Denken konnte die Aufgabe ohne gr\u00f6bere Probleme im Plenum gel\u00f6st werden. Bei f\u00fcnf Lernenden, die etwas M\u00fche bekundeten, war die zus\u00e4tzliche Hilfestellung mit den angefertigten Kartondreiecken sowie dem Rohrmodell genau die Hilfe, die sie ben\u00f6tigten, um diesen Schritt erfolgreich abschliessen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr die Lernenden war erfreulich, dass die beim vierten Schritt notierten Punkte des Flipcharts in diesem Teil auftauchten und Thema waren.<\/p>\n<p>Bei einer n\u00e4chsten Durchf\u00fchrung, w\u00fcrde ich darauf achten, dass ich die Lernenden im f\u00fcnften Schritt aktiver in den Unterricht miteinbeziehen kann. Weiter w\u00fcrde ich die Beispielaufgabe durch die Lernenden vorgeben lassen, damit werde ich gezwungen, wirklich alle \u00dcberlegungsschritte im Unterricht zu machen die f\u00fcr die vollst\u00e4ndige Bearbeitung der Aufgabe n\u00f6tig ist.<\/p>\n<h2>2.6 \u00dcbungsphase<\/h2>\n<p>Da die Lernenden beim Erfinden von eigenen \u00dcbungsbeispielen noch wenig bis keine Erfahrung haben, musste ich diesen Punkt unbedingt ber\u00fccksichtigen. Ich habe deshalb im Vorfeld zwei eigene \u00dcbungsbeispiele erfunden und skizziert. Diese kann ich dann im Unterricht am Visualizer vorstellen, damit m\u00f6chte ich die anschliessende Aufgabenproduktion in den Gruppen in Schwung bringen und Sicherheit vermitteln. F\u00fcr die weitere Bearbeitungsphase habe ich einen <a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht Schritte\/Kompetenznachweis_Benjamin_Roth_Unterlagen.pdf#page=8\" target=\"_blank\">Auftrag <\/a>formuliert. Dieser soll m\u00f6glichst klar und verst\u00e4ndlich sein, damit die Gruppen in Ruhe arbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Durch die klare Einf\u00fchrung meiner beiden Beispiele und dem formulierten Auftrag kamen insgesamt sieben \u00dcbungsbeispiele in den Gruppen zusammen. Ich war \u00fcberrascht, mit welchem Eifer die Lernenden die <a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht Schritte\/Kompetenznachweis_Benjamin_Roth_Unterlagen.pdf#page=12\" target=\"_blank\">\u00dcbungsaufgaben <\/a>erfanden und skizzierten. Die ersten drei \u00dcbungsbeispiele wurden zusammen im Plenum gel\u00f6st. Die restlichen Aufgaben wurden in den verschiedenen Gruppen gel\u00f6st. Es war erfreulich zu sehen, wie engagiert die einzelnen Gruppen die \u00dcbungsbeispiele l\u00f6sten. Es entstand eine wettkampf\u00e4hnliche Stimmung unter den Gruppen. Die Identifikation war sp\u00fcrbar h\u00f6her als bei reinen Lehreraufgaben.<\/p>\n<h2>2.7 Spickzettel<\/h2>\n<p>Wie beim sechsten Schritt musste ich davon ausgehen, dass die Lernenden wenig Erfahrung beim Gestalten eines Spickzettels mitbringen. F\u00fcr mich war deshalb klar, dass ich den Lernenden beim Zusammentragen der wichtigen Daten und Gr\u00f6ssen behilflich sein muss. Ich entschied mich bei diesem Schritt ebenfalls daf\u00fcr, einen<a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht Schritte\/Kompetenznachweis_Benjamin_Roth_Unterlagen.pdf#page=8\" target=\"_blank\"> schriftlichen Auftrag<\/a> f\u00fcr die Lernenden zu verfassen.<\/p>\n<p>Die Endergebnisse der <a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht Schritte\/Kompetenznachweis_Benjamin_Roth_Unterlagen.pdf#page=13\" target=\"_blank\">Spickzettel <\/a>waren f\u00fcr einen ersten Durchlauf gr\u00f6sstenteils erfreulich. Es gab jedoch auch eine Handvoll Lernende, welche sich weniger M\u00fche gaben, dies widerspiegelte sich auch in der inhaltlichen Qualit\u00e4t dieser Spickzettel. Bei einem n\u00e4chsten Durchlauf w\u00fcrde ich ein eigenes Musterbeispiel gestalten, das ich den Lernenden im Unterricht vorstellen kann.<\/p>\n<p><em>Die Spickzettel sind als pers\u00f6nliche Instrumente f\u00fcr die Lernenden gedacht, welche dann im Schritt 8 zum Einsatz kommen. Was ihnen dient, m\u00fcssen sie selbst entscheiden. Ein Musterbeispiel, das dann irgendwie kopiert werden muss, w\u00fcrde dieser Idee widersprechen. Es ist durchaus denkbar, dass diejenigen Lernenden, \u201ewelche sich weniger M\u00fche gaben\u201c, keinen ausf\u00fchrlichen Spickzettel mehr ben\u00f6tigen. Ob sie mit dieser Einsch\u00e4tzung richtig liegen, erleben sie dann im Schritt 8. Nur \u00fcber diese Erfahrung k\u00f6nnen sie mit der Zeit lernen, selbst einzusch\u00e4tzen, was sie brauchen.<\/em><\/p>\n<h2>2.8 Gebrauch im Betrieb diskutieren<\/h2>\n<p>Ich habe diesen letzten Schritt bewusst drei Wochen sp\u00e4ter eingeplant. Die Lernen-den sollen w\u00e4hrend dieser Zeit die M\u00f6glichkeit erhalten eine konkrete Berechnungssituation in der Praxis anzuwenden. Ich gab den Lernenden den Auftrag, die n\u00e4chste Berechnungssituation mit einer schr\u00e4g verlaufenden Leitung in der Praxis schriftlich zu dokumentieren und mit Fotos festzuhalten. Die Lernenden sollen sich handgeschriebene Notizen machen, wo Probleme oder Schwierigkeiten in der praktischen Anwendung aufgetaucht sind. Weiter soll in der Anwendung auch der eigene Spickzettel kritisch hinterfragt werden.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich des Unterrichts diskutierten wir knapp 1,5 Lektionen \u00fcber zwei unterschiedliche Erfahrungen von Lernenden. Es stellte sich dabei heraus, dass verschiedene Probleme und Schwierigkeiten in der praktischen Anwendung aufgetreten waren. Ein Lernender berichtete von einer Leitung, die er mit 22\u00b0 Abweichung berechnen musste. Da er jedoch auf seinem Spickzettel keinen Faktor f\u00fcr diesen Winkel hatte, konnte er die Aufgabe nur dank der Hilfe des Chefmonteurs l\u00f6sen. Ich habe dem Lernenden den Vorschlag unterbreitet, dass wir uns in einer sp\u00e4teren Unterrichtseinheit mit den trigonometrischen Funktionen besch\u00e4ftigen. Denn mit diesen ist es m\u00f6glich, die unterschiedlichsten Winkel und damit schr\u00e4ge beliebiger Ausrichtung Leitungen zu berechnen. Ein weiterer Lernender berichtete von bestehenden W\u00e4nden, welche in einem Umbau schr\u00e4g verliefen. Diese schr\u00e4g verlaufenden W\u00e4nde brachten den Lernenden aus dem Konzept und er konnte seinen Spickzettel nicht mehr sinnvoll einsetzen. Wir haben diese Situation im Unterricht detailliert besprochen und gekl\u00e4rt. Es zeigte sich an dieser Stelle deutlich, dass die Anwendung von in der Schule Gelerntem in einer praktischen Situation nicht immer gelingt. Aus diesem Grund ist dieser letzte Schritt zum zuk\u00fcnftigen handlungswirksamen Wissen sehr wichtig, kann aber auch viel Zeit beanspruchen.<\/p>\n<h1>3 \u00a0\u00a0\u00a0 Fazit<\/h1>\n<p>Die schulische Ausbildung f\u00fchrt leider oft zu tr\u00e4gem Wissen. Damit dies nicht geschieht, muss ich den Unterricht st\u00e4rker auf den gemachten Erfahrungen der Lernenden aufbauen, sonst ist ein erfolgreicher Lernprozess fraglich. Das 8-Schritte Modell ist daf\u00fcr ein ideales Instrument. Ich muss die Lernenden dazu bringen, Ihre in den Situationen gemachten Erfahrungen mit dem deklarativen Wissen zu verbinden und m\u00f6gliche Unklarheiten zu beseitigen.<\/p>\n<p>Durch die konkrete Umsetzung des 8-Schritte Modells habe ich aufgezeigt, wie das an unserer Schule im Bereich von den Geb\u00e4udetechnikberufen aussehen kann. F\u00fcr sp\u00e4tere Berechnungssituationen werde ich dieses Unterrichtsmodell sicher wieder einsetzen. Ich stellte bei der Durchf\u00fchrung aber auch fest, dass dieses Modell etwa doppelt so viel Zeit beansprucht wie das bisherige Unterrichtssetting. Die zus\u00e4tzlich investierte Zeit hatte sich aber ausgezahlt. Dies beweist die Lernkontrolle, welche ich ca. einen Monat sp\u00e4ter durchgef\u00fchrt habe. Die Klasse hatte gegen\u00fcber Vorg\u00e4ngerklassen einen um etwa 0,3 h\u00f6heren Notenschnitt, was ich auf die Durchf\u00fchrung des 8-Schritte Modells zur\u00fcckf\u00fchre. Diese Tatsache freut mich sehr und beweist, dass sich der Mehraufwand f\u00fcr dieses Unterrichtsmodell gelohnt hat. Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dieses Unterrichtsmodell in einer verk\u00fcrzten Form durchzuf\u00fchren. Dabei stellen sich verschiedene Fragen. Welche(n) Schritt(e) kann ich k\u00fcrzen ohne die Lernprozesse negativ zu beeintr\u00e4chtigen? Wie setze ich dies im Unterricht um? Diese Fragen kann ich zum momentanen Zeitpunkt noch nicht beantworten.<\/p>\n<p><em>Dazu lassen sich drei Dinge sagen: <\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>Wie angemerkt kann der \u201eTheorieteil\u201c wegfallen. Das sind doch etwa 20 Minuten im etwa 4 Stunden dauernden <a href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Acht Schritte\/Kompetenznachweis_Benjamin_Roth_Unterlagen.pdf#page=9\" target=\"_blank\">Ablauf<\/a>. <\/em><\/li>\n<li><em>Eine erste Durchf\u00fchrung braucht immer mehr Zeit, als wenn sich das Vorgehen f\u00fcr Lehrende und Lernende schon eingespielt hat. Es ist also schwierig, schon nach einer ersten Durchf\u00fchrung abzusch\u00e4tzen, wie viel Zeit tats\u00e4chlich ben\u00f6tigt wird. <\/em><\/li>\n<li><em>Und ja, wenn man die Lernenden wirklich bef\u00e4higen will, mit realen Situationen im Betrieb umgehen zu k\u00f6nnen, dann braucht das typischerweise tats\u00e4chlich mehr Zeit, als wenn man anhand von ein paar Trocken\u00fcbungen tr\u00e4ges Wissen produziert!<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<h1><em>4 <\/em><em>Wahl des mathematischen Werkzeugs<\/em><\/h1>\n<p><em>Abschliessend noch eine grunds\u00e4tzliche \u00dcberlegung zum Pythagoras als mathematisches Werkzeug in dieser Situation: Eigentlich ist der Satz des Pythagoras hier nicht wirklich n\u00fctzlich. Mit einigen Geometriekenntnissen kann man zwar f\u00fcr die Spezialf\u00e4lle von 30\u00b0, 45\u00b0 und 60\u00b0 tats\u00e4chlich die Seitenverh\u00e4ltnisse ableiten. Dazu muss man aber wissen (bzw. herleiten k\u00f6nnen), dass in einem Dreieck mit 90\u00b0, 45\u00b0 und 45\u00b0 die beiden k\u00fcrzeren Seiten gleich lang sind und dass in einem Dreieck mit 90\u00b0, 60\u00b0 und 30\u00b0 die k\u00fcrzeste Seite halb so lang ist wie die l\u00e4ngste \u2013 ziemlich viel Elementargeometrie f\u00fcr drei Spezialf\u00e4lle, welche offenbar nicht alle praktisch vorkommenden Varianten abdecken, wie sich in Schritt 8 zeigt.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine andere M\u00f6glichkeit eine n\u00fctzliche Tabelle von Faktoren bzw. einen n\u00fctzlichen Spickzettel zu erstellen, w\u00fcrde darin bestehen, Beispiele f\u00fcr Dreiecke mit den gew\u00fcnschten Winkeln m\u00f6glichst genau aufzuzeichnen, die Seitenl\u00e4ngen zu messen und dann die Verh\u00e4ltnisse zu berechnen. Auf diese Art k\u00f6nnen die Lernenden jederzeit ihre Spickzettel mit Eintr\u00e4gen f\u00fcr weitere Winkel erg\u00e4nzen. Und selbstverst\u00e4ndlich kann man sie dann auch noch darauf aufmerksam machen, dass freundliche Leute dies im 19. Jahrhundert schon f\u00fcr alle m\u00f6glichen Winkel gemacht haben und dass man die entsprechende Tabelle unter Sinus und Cosinus auf dem Taschenrechner findet.<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist \u00fcbrigens nicht untypisch, dass gerade Schritt 8 eine R\u00fcckmeldung dazu liefert, ob man in Schritt 5 wirklich ein Vorgehen gew\u00e4hlt hat, welches sich im praktischen Alltag als n\u00fctzlich erweist. Es ist deshalb wichtig, sich nach jeder Durchf\u00fchrung der Acht Schritte genau diese Frage zu stellen und allenfalls f\u00fcr die n\u00e4chste Durchf\u00fchrung Anpassungen vorzunehmen. Geht man im Verlauf der Acht Schritte wirklich von einer Berechnungssituation aus und kehrt wieder zu dieser zur\u00fcck, dann lernen nicht nur die Lernenden, sondern dann lernt meist auch die Lehrperson mit jeder Durchf\u00fchrung etwas dazu.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>pdf \u00a0\u00a0 Das Folgende sind kommentierte Ausz\u00fcge aus einem Kompetenznachweis, einer recht umfangreichen schriftlichen Arbeit plus Anhang. Die Textteile in Normalschrift stammen von Benjamin Roth. Die Anmerkungen in Kursivschrift von Hansruedi Kaiser. Bei diesem Beispiel handelt es sich um eine &hellip; <a href=\"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/didaktisches-grundmodell\/acht-schritte\/beispiele\/schraege-leitungen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"parent":3211,"menu_order":5,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"sidebar-page.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3216","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3216","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3216"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3216\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3211"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3216"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}