{"id":2387,"date":"2013-08-06T10:37:18","date_gmt":"2013-08-06T09:37:18","guid":{"rendered":"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=2387"},"modified":"2013-08-06T10:37:18","modified_gmt":"2013-08-06T09:37:18","slug":"die-zentralen-begriffe-bei-bourdieu","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/iml2\/verwandte-modelle\/die-zentralen-begriffe-bei-bourdieu\/","title":{"rendered":"Die zentralen Begriffe bei Bourdieu"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: Bourdieu, P., &amp; Wacquant, L. J. D. (2006). <i>Reflexive Anthropologie<\/i>. Franfurt a. M.: Suhrkamp.<\/p>\n<p>Im Denken Bourdieus nehmen drei Begriffe eine mehr oder weniger zentrale Stellung ein, die sich gut mit dem IML hinterlegen lassen:<\/p>\n<p><strong>Habitus:<\/strong> Bourdieu f\u00fchrt den Begriff \u201eHabitus\u201c ein, um \u201ePraxis in ihrer unscheinbarsten Form zu erkl\u00e4ren\u201c (S. 153). Habitus ist nach seiner Umschreibung ein erworbenes System von generativen Schemata, das an die Bedingungen angepasst ist, unter denen es entstanden ist. Der Habitus ist verk\u00f6rperte Geschichte. Erfahrungen werden in jedem Organismus als Schemata gespeichert, die Wahrnehmung, Denken und Handeln lenken. \u201eAlle Stimuli und alle konditionierenden Erfahrungen werden in jedem Augenblick \u00fcber Kategorien wahrgenommen, die bereits von fr\u00fcheren Erfahrungen konstruiert wurden. Daraus ergibt sich ganz unvermeidlich eine Bevorzugung dieser urspr\u00fcnglichen Erfahrungen und, als Folge davon, eine relative Geschlossenheit des f\u00fcr den Habitus konstitutiven Dispositionssystems.\u201c (S.168)<\/p>\n<p><strong>Feld:<\/strong> Ein strukturierter sozialer Raum innerhalb dessen sich autonom Regeln, Muster normalen Verhaltens und Formen der Autorit\u00e4t entwickeln k\u00f6nnen. Die Grenzen eines Feldes sind dadurch definiert, dass man innerhalb eines Feldes sich den entsprechenden Regeln und Autorit\u00e4ten unterwirft.<\/p>\n<p><strong>Kapital:<\/strong> Alle Ressourcen, die in einem bestimmten sozialen Kontext n\u00fctzlich sind.<\/p>\n<p>Bourdieu ist Soziologe und damit sind seine Konzepte selbstverst\u00e4ndlich viel breiter angelegt, als das, was durch das IML abgedeckt werden soll. Am deutlichsten wird das beim Kapital, wo er zumindest \u00f6konomisches, soziales, kulturelles und symbolisches Kapital unterscheidet. Man kann das IML aber nutzen, um die Konzepte mit kognitiven Mechanismen zu hinterlegen, woraus sich unter anderem Aussagen \u00fcber die Ver\u00e4nderbarkeit des Habitus ableiten lassen.<\/p>\n<p><strong>Habitus:<\/strong> Die Einf\u00fchrung des <i>situativen Wissens<\/i> verfolgt im IML genau dasselbe Ziel wie die Einf\u00fchrung des Habitus bei Bourdieu (\u201ePraxis in ihrer unscheinbarsten Form erkl\u00e4ren\u201c)! Im IML w\u00e4ren die \u201eSchemata\u201c von Bourdieu das aktuell aktivierte Paket <i>situativen Wissens<\/i> (plus die darin verankerten Wissensst\u00fccke anderer Art). Damit ist ein B\u00fcndel von erinnerten Situationen gemeint, die alle untereinander so eng assoziiert sind, dass sie gemeinsam erinnert werden. So gesehen kann eine Person \u00fcber mehr als einen Habitus verf\u00fcgen, wenn ihr <i>situatives Wissen<\/i> in mehrere solche Pakete zerf\u00e4llt, die untereinander nur lose verkn\u00fcpft sind. Je nach Situation, in der sich die Person befindet, wird unter Umst\u00e4nden ein anderes dieser Pakete angesprochen und die Person wechselt von einem Habitus zu einem anderen.<\/p>\n<p><strong>Feld:<\/strong> Im IML erlebt die Person ein Feld als eine Menge von Situationen, die immer denselben Habitus, d.h. dasselbe Paket <i>situativen Wissens<\/i> ansprechen. Dies ist ein erlernter Zusammenhang. Im <i>Modell der Situierten Kompetenzen<\/i> ist die Idee des Feldes als die Gesamtheit der typischen Situationen (eines Berufes beispielsweise) pr\u00e4sent.<\/p>\n<p><strong>Kapital:<\/strong> Im IML ist das Kapital, welches der Person hilft mit der aktuellen Situation umzugehen, das aktivierte Paket <i>situativen Wissens<\/i> plus alle Ressourcen, welche mit diesem Paket verbunden sind. Im <i>Modell der Situierten Kompetenzen<\/i> ist mit den externen Ressourcen angedacht, dass \u00fcber dieses \u201ekognitive Kapital\u201c hinaus weitere Formen von Kapital (bei Bourdieu beispielsweise das \u00f6konomische Kapital) n\u00fctzlich sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Akzeptiert man diese Hinterlegung des Habitus mit dem <i>situativen Wissen<\/i> aus dem IML, dann ergibt sich, dass der Habitus zwar ver\u00e4nderungsresistent ist, sich aber trotzdem sehr wohl ver\u00e4ndern kann. Einmal kann das graduell geschehen, indem st\u00e4ndig neue Erfahrungen dazukommen und damit die Struktur des entsprechenden Paketes von assoziierten Erfahrungen ver\u00e4ndern. Es ist aber grunds\u00e4tzlich auch m\u00f6glich, dass neue Erfahrungen mit neuen Situationen den Kern zu einem neuen Habitus bilden, also den Kern zu einem neuen Paket formen, das mit dem alten schlecht verbunden ist. Dies k\u00f6nnte unter Umst\u00e4nden geschehen, wenn die Person in ein neues Feld ger\u00e4t, an das der alte Habitus nicht angepasst ist.<\/p>\n<p>Der Versuch, die Begrifflichkeit Bourdieus mit dem IML zu hinterlegen gibt f\u00fcr die Weiterentwicklung des IML zwei interessante Hinweise. Einmal ist im IML bisher die Menge der Situationen, auf die eine Person in ihrer Lerngeschichte trifft, nicht weiter strukturiert. Es wird einfach Situation um Situation erlebt und als Erfahrung abgelegt. Der Begriff des Feldes macht aber klar, dass diese Menge von Situationen sehr wohl eine Struktur hat und dass sich die Lerngeschichte zweier Personen beispielsweise darin unterscheiden k\u00f6nnte, ob sie nur Situationen mit sehr \u00e4hnlichen Anforderungen (g\u00fcltigen Regeln etc.) erlebt oder ob die erlebten Situationen in dieser Hinsicht breiter streuen. Zum zweiten ist zwar im <i>Modell der Situierten Kompetenzen<\/i> die Idee von nicht kognitiven Ressourcen angelegt, sie k\u00f6nnte aber konsequenter verfolgt werden, um breite Kategorien von \u201eKapital\u201c abzudecken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: Bourdieu, P., &amp; Wacquant, L. J. D. (2006). Reflexive Anthropologie. Franfurt a. M.: Suhrkamp. 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