{"id":1889,"date":"2013-05-16T12:52:58","date_gmt":"2013-05-16T11:52:58","guid":{"rendered":"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=1889"},"modified":"2015-03-23T17:32:57","modified_gmt":"2015-03-23T16:32:57","slug":"mathematik-im-berufsalltag-aufspuren","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/berechnungssituationen\/mathematik-im-berufsalltag-aufspuren\/","title":{"rendered":"Mathematik am Arbeitsplatz aufsp\u00fcren: Drei Fallstudien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><a title=\"pdf in einem neuen Fenster anzeigen\" href=\"http:\/\/www.hrkll.ch\/vom_Kopf_auf_die_Fuesse\/Hintergrund\/Mathematik_am_Arbeitsplatz_drei_Fallstudien_hrkll.pdf\" target=\"_blank\">ausf\u00fchrlicher als pdf<\/a><\/em><\/p>\n<h1>Problemstellung<\/h1>\n<p>Unterricht an den Berufsfachschulen macht nur Sinn, wenn dieser einen klaren Bezug zur beruflichen Praxis im jeweiligen Berufsfeld hat. Dies gilt auch f\u00fcr das sogenannte \u201eFachrechnen\u201c bzw. f\u00fcr die Vermittlung mathematischer Inhalte. Um diesen Praxisbezug herstellen zu k\u00f6nnen, muss bekannt sein, wo und wie im jeweiligen Berufsfeld Mathematik eine Rolle spielt.<\/p>\n<p>Naheliegend w\u00e4re, dazu einfach erfahrene Berufsleute zu befragen. Wie die Erfahrung zeigt, ist dies aber selten zielf\u00fchrend. Meist erh\u00e4lt man eine abschl\u00e4gige Antwort im Sinne von \u201eMathematik spielt bei uns im Berufsalltag keine Rolle\u201c. Mathematik am Arbeitsplatz ist oft in Werkzeugen, Abl\u00e4ufen oder anderen organisatorischen Massnahmen eingebettet, so dass sie von den Berufsleuten gar nicht mehr wahrgenommen wird.<\/p>\n<p>Als Alternative bietet es sich an, Berufsleute bei ihrer t\u00e4glichen Arbeit zu beobachten und aus diesen Beobachtungen die ben\u00f6tigte Mathematik zu erschliessen. Solche Beobachtungsstudien sind aber sehr aufw\u00e4ndig, denn genauso, wie die Mathematik am Arbeitsplatz f\u00fcr die dort arbeitenden Personen kaum sichtbar ist, genauso wird diese Mathematik f\u00fcr externe Beobachter nur nach intensiver Auseinandersetzung mit den Arbeitsabl\u00e4ufen etc. wahrnehmbar.<\/p>\n<p>Da also direkte Beobachtung oder Befragung von Berufsleuten entweder nicht funktioniert oder sehr aufw\u00e4ndig ist, w\u00e4re es w\u00fcnschbar, \u00fcber andere, effizientere Zug\u00e4nge zu verf\u00fcgen. Im Folgenden m\u00f6chte ich drei Versuche mit alternativen Zug\u00e4ngen vorstellen und die damit gemachten Erfahrungen anschliessend reflektieren.<\/p>\n<hr \/>\n<h1>K\u00f6chinnen und K\u00f6che<\/h1>\n<p>Beim ersten Beispiel geht es um die Arbeit von<a title=\"K\u00f6chinnen und K\u00f6che\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=209\"> K\u00f6chinnen und K\u00f6chen<\/a>. In einem Projekt zusammen mit Hotel &amp; Gastro <i>formation<\/i> wurden sieben Lernumgebungen erarbeitet.<\/p>\n<p>In diesem Fall dienten die drei Lehrpersonen als<a title=\"Berufliche Berechnungssituationen sammeln\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=1610#quellen\"> Informationsquelle<\/a>. Dies ist nicht unproblematisch. Wie erw\u00e4hnt, berichten schon Personen, die direkt im Arbeitsprozess stehen, oft von schulmathematischen Verfahren an Stelle der tats\u00e4chlich verwendeten Verfahren. Bei Lehrpersonen d\u00fcrfte diese Tendenz noch viel ausgepr\u00e4gter sein. Zudem haben Lehrende ein Interesse daran, ihre bisherige Schulpraxis zu verteidigen, nur schon um ihre Investitionen in Arbeitsbl\u00e4tter etc. zu retten.<\/p>\n<p>In diesem Fall d\u00fcrften sich aber drei Faktoren g\u00fcnstig ausgewirkt haben:<\/p>\n<ul>\n<li>Bei den Lehrenden handelt es sich um eine Untergruppe derjenigen Lehrpersonen, welche sich im Zusammenhang mit der Umsetzung des neuen Bildungsplanes bereits intensiv mit Fragen einer prozess- bzw. situationsbezogenen Didaktik auseinander gesetzt hatten. Sie waren bereit zu einem Aufbruch in eine neue Lernkultur und zudem mit einigen Aspekten des bisherigen Fachrechnens unzufrieden.<\/li>\n<li>Durch die massive K\u00fcrzung der Lektionenzahl von 140 auf 40 Lektionen bestand ein betr\u00e4chtlicher Druck, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sich auf die Mathematik zu beschr\u00e4nken, welche tats\u00e4chlich im praktischen Alltag relevant ist.<\/li>\n<li>Alle Mitglieder der Arbeitsgruppe hatten vor noch nicht allzu langer Zeit aus der beruflichen Praxis als Koch in die Schule gewechselt. Entsprechend gut waren sie noch \u00fcber die aktuelle Berufspraxis informiert.<\/li>\n<\/ul>\n<p>All diese drei Faktoren wirkten zusammen, so dass es f\u00fcr mich m\u00f6glich war, als kritischer Aussenstehender immer wieder die Praxisrelevanz einzelner \u00fcberkommener Verfahren und Inhalte des Fachrechnens zu hinterfragen und so einige bedeutsame Schritte auf dem Weg zu einem praxisorientierten Fachrechnen zu machen.<\/p>\n<p>Als Produkt der ganzen Analyse entstand ein eigentliches kleines Lehrmittel bestehend aus sieben Lernumgebungen und dazu geh\u00f6renden kurzen didaktischen Anleitungen (vgl. die<a title=\"K\u00f6chinnen und K\u00f6che\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=209\"> ausf\u00fchrlichere Beschreibung <\/a>unter Beispiele).<\/p>\n<hr \/>\n<h1>Rangiermitarbeiter<\/h1>\n<p>Beim zweiten Beispiel geht es um die Arbeit von Rangiermitarbeitern im Personenverkehr. Dies sind Personen, welche am Bahnsteig oder in direkter Umgebung eines Personenbahnhofs Wagen bei Reisez\u00fcgen anf\u00fcgen oder entfernen.<\/p>\n<p>Das Vorgehen war recht \u00e4hnlich wie bei den K\u00f6chen und K\u00f6chinnen. Nur dass hier nicht Berufsschullehrende, sondern erfahrene Rangiermitarbeiter die Auskunftspersonen waren. Zentrales Instrument war ein eint\u00e4giger Workshop mit zw\u00f6lf von den SBB ausgew\u00e4hlten Mitarbeitenden. Diese Mitarbeitenden waren alle Rangiermitarbeiter mit mehrj\u00e4hriger Erfahrung, welche diese Funktion immer noch aus\u00fcben. Im Wesentlichen unterschieden sie sich vom durchschnittlichen Rangiermitarbeiter nur dadurch, dass sie sich \u00fcberdurchschnittlich gut sprachlich ausdr\u00fccken konnten, was sich auf die Produktivit\u00e4t des Workshops positiv auswirkte. Je zwei Workshop-Teilnehmer kamen aus einer anderen Region der (Deutsch?)Schweiz, so dass sich als Nebeneffekt w\u00e4hrend des Workshops auch ein interessanter Austausch \u00fcber unterschiedliche Arbeitskulturen ergab.<\/p>\n<p>Der Ablauf des Workshops war analog dem bei den K\u00f6chen\/K\u00f6chinnen beschriebenen Vorgehen strukturiert: Zuerst Situationen sammeln, dann diese <a title=\"Berufliche Berechnungssituationen beschreiben\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=1640#kk\">Situationen realistisch beschreiben und schliesslich Ressourcen zuordnen<\/a>. Im Unterschied zu den K\u00f6chen und K\u00f6chinnen standen hier aber nicht nur \u201emathematische\u201c Kompetenzen, sondern auch Grundkompetenzen in den Bereichen Sprache und Informa\u00adtionstechnologien im Fokus.<\/p>\n<p>Der ganze Workshop war als Grossgruppenanlass organisiert. Zu jeder Situation entstand ein grosses Plakat, das Schritt f\u00fcr Schritt erg\u00e4nzt wurde. In einem letzten Schritt wurden die Ressourcen von allen Plakaten gesammelt und gemeinsam an einer grossen Wand strukturiert und erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p>Die so entstandene Sammlung wurde anschliessend bei einem Besuch auf einem Bahnhof und im Gespr\u00e4ch mit drei Vorgesetzten erg\u00e4nzt und validiert.<\/p>\n<p>Aus der Analyse der Situationen, der damit verbundenen Geschichten und der W\u00fcnsche aller Beteiligten ergab sich, dass aktuell der F\u00f6rderbedarf in mathematischen Bereichen nicht im Vordergrund stand. Als wichtiger und dr\u00e4ngender wurden Aspekte der Kommunikation von Neuerungen und im Alltag identifiziert. Entsprechend wurde ein Kurs f\u00fcr diesen Bereich entwickelt und durchgef\u00fchrt. Ob das Thema Mathematik in einem anderen Zusammenhang nochmals angepackt wird, bleibt offen.<\/p>\n<hr \/>\n<h1>Bauarbeiter<\/h1>\n<p>Im Zentrum des dritten Beispiels stehen angelernte <a title=\"Mitarbeitende im Tiefbau\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=215\">Bauarbeiter im Tiefbau<\/a>, also Personen, welche Strassen bauen und Gr\u00e4ben ausheben.<\/p>\n<p>Auch hier bestand der erste Schritt darin, eine Sammlung von Situationen anzulegen \u2013 in diesem Fall entsprechend der vordefinierten Ausrichtung des Kurses wieder Situationen, in denen Mathematik eine Rolle spielt. <a title=\"Berufliche Berechnungssituationen sammeln\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=1610#quellen\">Auskunftsperson <\/a>war ein erfahrener Bauf\u00fchrer. Intuitiv w\u00e4re er eher von einer Sammlung von Ressourcen wie \u201eDreisatz\u201c, \u201eProzentrechnen\u201c etc. ausgegangen und musste zuerst vom Zugang \u00fcber die Situationen \u00fcberzeugt werden. Es viel ihm dann aber nicht schwer, sich umzustellen und dank seiner langj\u00e4hrigen Erfahrung hatte er keine M\u00fche, eine Sammlung von Situationen zusammenzustellen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich brachte der Bauf\u00fchrer seine Sicht der Situationen ein, schilderte aus seiner Sicht, was sich in den jeweiligen Situationen abspielt. Auch brachte er sein Vorstellungen der <a title=\"Berufliche Berechnungssituationen beschreiben\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=1640#kk\">relevanten Ressourcen<\/a> ein. Diese waren oft bereits ganz klar auf die reale Praxis auf der Baustelle bezogen. Beispielsweise schilderte er, dass es \u00fcblich ist, Beton pro Kubikmeter zu bestellen, dass also in der Situation <i>Beton bestellen<\/i> in Volumen gedacht und gerechnet wird. Hingegen wir Strassenbelag pro Tonne bestellt. Bei <i>Belag bestellen<\/i> wird also mit Gewicht gerechnet, und zwar mit Gewicht pro Fl\u00e4che: 1m<sup>2<\/sup> Belag wiegt pro Zentimeter Dicke 24 kg. Die 24ger-Reihe bis 10 x 24 ist deshalb eine im Strassenbau relevante Ressource.<\/p>\n<p>Viele der Ressourcen wie <i>Prozentrechnen<\/i> und <i>Dreisatz<\/i> waren aber recht <a title=\"Relevante mathematische Instrumente zusammenstellen\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=1765\">schulmathematisch <\/a>gedacht. Durch die Anlage des Kurses wurde es aber m\u00f6glich, diese Sicht von \u201eoben\u201c durch die Sicht der Personen zu erg\u00e4nzen, welche die entsprechenden Situationen von \u201einnen\u201c erleben.<\/p>\n<p>Die Situationen waren Grundlage f\u00fcr einen betriebsinternen Kurs. Dieser Kurs war in zweifacher Hinsicht bedarfsorientiert. Einerseits wurde jede Situation so oft wieder aufgenommen, bis sich die Teilnehmenden den jeweiligen Anforderungen gewachsen f\u00fchlten. Zum zweiten war der Ausgangspunkt immer das Vorwissen der Teilnehmenden. Sie schilderten f\u00fcr jede Situation zuerst, wie sie mit ihrem aktuellen Wissen mit der jeweiligen Situation umgehen. Daf\u00fcr standen reale Pl\u00e4ne etc. zur Verf\u00fcgungen, wie sie in der entsprechenden Firma \u00fcblich sind. Der Kurs widmete sich dann den Schwierigkeiten, welche dabei sichtbar wurden.<\/p>\n<p>Auf diese Art wurde die Sicht des Bauf\u00fchrers durch die Innensicht der der Bauarbeiter erg\u00e4nzt. Es ergaben sich dadurch Ver\u00e4nderungen an verschieden Stellen.<\/p>\n<p><strong>Anpassung der Liste der Situationen:<\/strong> G\u00e4nzlich neue Situationen kamen im Verlauf der Kurses nicht dazu, obwohl es f\u00fcr die Teilnehmenden durchaus m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, solche einzubringen. Hingegen war in der urspr\u00fcnglichen Vorstellung des Bauf\u00fchrers das <i>Abstecken<\/i> eine Ressource, die bei den verschiedensten anderen Situationen eine Rolle spielen kann. Im Verlaufe des Kurses zeigte sich aber, dass <i>Abstecken<\/i> als eigene, bedeutsame Situation wahrgenommen wird, in deren Zusammenhang sehr spezifische Ressourcen wie <i>L\u00e4ngen aus einem Plan herausmessen <\/i>und <i>Nivellieren<\/i> von Bedeutung sind.<\/p>\n<p><strong>Anpassen der Situationsbeschreibungen:<\/strong> Zum Beispiel waren in der urspr\u00fcnglichen Beschreibung der Situation <i>Beton mischen<\/i> keine Mengenangaben enthalten. Im Gespr\u00e4ch mit den Teilnehmenden zeigte sich dann aber, dass Beton selbst mischen nur f\u00fcr Kleinmengen bis \u00bd m<sup>3<\/sup> bzw. 500 Liter sinnvoll ist. Nat\u00fcrlich war das dem Bauf\u00fchrer auch klar. Aber h\u00e4tte er als einzige Informationsquelle zur Verf\u00fcgung gestanden, w\u00e4re diese Grenze nicht pr\u00e4zisiert worden und ich h\u00e4tte mangels Kenntnisse der realen Arbeitssituation auch nicht nachgefragt.<\/p>\n<p><strong>Anpassen der Ressourcen:<\/strong> Der Bauf\u00fchrer als Ingenieur war urspr\u00fcnglich davon ausgegangen, dass die Teilnehmenden lernen sollten, die jeweils gesuchten Werte mit Hilfe des Taschenrechners exakt zu berechnen. Entsprechend ging er davon aus, dass beispielsweise f\u00fcr die Herstellung von 300 Liter (verdichtet) von PC 150 (Beton mit 150 kg Zement auf 1000 Liter Volumen) wie folgt gerechnet wird: Locker hat das Kies 20% mehr Volumen, es braucht also 360 Liter Kies. Bei 150 kg Zement auf 1000 Liter braucht es 45 kg Zement auf 300 Liter.<\/p>\n<p>Im Laufe des Kurses zeigte sich aber immer mehr, dass Sch\u00e4tzungen sowie das Rechnen in \u201enat\u00fcrlichen\u201c Einheiten (Lastwagenladungen, volle Schubkarren, Zements\u00e4cke etc.) wichtiger und sinnvoller sind. Die \u00dcberlegungen zum <i>Beton mischen<\/i> sehen dann so aus: F\u00fcr 1 m<sup>3<\/sup> verdichteten Beton ben\u00f6tigt man 20 Schubkarren Kies, f\u00fcr 300 Liter also etwa 6 Schubkarren. Bei PC 150 muss man pro Schubkarre Kies etwa 1\/3 Sack Zement zugeben, also hier etwa zwei Sack Zement. (Bei PC 250 w\u00e4ren es etwa ein halber Sack Zement pro Schubkarre Kies.)<\/p>\n<p>Auf diese Art wurden die vom Bauf\u00fchrer eher etwas schulmathematisch gedachten Ressourcen an verschiedenen Stellen an den Einsatz in realen Situationen angepasst. Daneben erfolgte eine zweite Anpassung, n\u00e4mlich an die tats\u00e4chlichen F\u00e4higkeiten der Teilnehmenden. Beispielsweise zeigte sich recht schnell, dass sie viele selbst einfache Aufgabestellungen nur bew\u00e4ltigen konnten, wenn sie zuerst f\u00fcr sich selbst eine saubere Handskizze der Gegebenheiten anfertigten. Entsprechend wurde die Liste der Ressourcen um <i>Handskizzen machen<\/i> erg\u00e4nzt.<\/p>\n<hr \/>\n<h1>St\u00e4rken und Schw\u00e4chen der Zug\u00e4nge<\/h1>\n<p><strong>Aufwand:<\/strong> Der Aufwand f\u00fcr alle Beteiligten zusammengenommen war im Fall der Bauarbeiter deutlich gr\u00f6sser als in den beiden anderen F\u00e4llen. Nur ein Teil dieser Zeit wurde aber ben\u00f6tigt, um zu den gesuchten mathematischen Kompetenzen zu gelangen. Bei den K\u00f6chen und K\u00f6chinnen entstand gleichzeitig noch ein Lehrmittel und bei den Bauarbeitern wurden zw\u00f6lf Mitarbeitende intensiv geschult. Wie gross dieser Aufwand war, l\u00e4sst sich zwar nur grob absch\u00e4tzen. Mit einigen Annahmen ist sind aber doch Aussagen m\u00f6glich. Interessant ist, dass der gesch\u00e4tzte Nettoaufwand meinerseits f\u00fcr die Erarbeitung der Kompetenzen in allen drei F\u00e4llen praktisch gleich hoch ausf\u00e4llt. Auch wenn diese Werte mit einigen Unsicherheiten behaftet sind, so l\u00e4sst sich doch sagen, dass hier offenbar keine grossen Unterschiede zwischen den Zug\u00e4ngen bestehen.<\/p>\n<table style=\"width: 90%; margin-left: auto; margin-right: auto; line-height: 1em;\">\n<tbody>\n<tr style=\"line-height: 1.0em;\">\n<td style=\"width: 40%; text-align: right; border: 1px solid #000000;\"><\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: solid solid solid none; border-width: 1px; text-align: center; width: 20%;\">Koch\/ K\u00f6chin<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: solid solid solid none; border-width: 1px; text-align: center; width: 20%;\">Rangier-mitarbeiter<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: solid solid solid none; border-width: 1px; text-align: center; width: 20%;\">Bauarbeiter<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid; border-width: 1px; text-align: left; padding-left: 3pt;\">Aufwand der Quellen Total<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">72<strong><br \/>\n<\/strong><\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">98<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">300<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid; border-width: 1px; text-align: left; padding-left: 3pt;\">Mein Aufwand<br \/>\nTotal<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">72<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">\u00a038<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">51<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid; border-width: 1px; text-align: left; padding-left: 3pt;\">Aufwand der Quellen f\u00fcr Nebenprodukte<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">36<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">\u00a012<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">\u00a0283<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid; border-width: 1px; text-align: left; padding-left: 3pt;\">Mein Aufwand f\u00fcr Nebenprodukte<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">42<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">\u00a08<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">22<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid; border-width: 1px; text-align: left; padding-left: 3pt;\">Aufwand der Quellen netto<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">36<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">86<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">17<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid; border-width: 1px; text-align: left; padding-left: 3pt;\">Mein Aufwand<br \/>\nnetto<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">30<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">30<\/td>\n<td style=\"border-color: #000000; border-style: none solid solid none; border-width: 1px; text-align: center;\">29<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Unterschiede beim Aufwand, welche die Quellen betreiben mussten, sind hingegen betr\u00e4chtlich. Vor allem der bei den Rangierarbeitern gew\u00e4hlte Zugang f\u00e4llt hier negativ auf. Grund daf\u00fcr ist, dass das sich der Prozess durch eine Einengung nur auf mathematische Aspekte kaum wesentlich abk\u00fcrzen l\u00e4sst. Der Unterschied zwischen dem Zugang bei den K\u00f6chen und K\u00f6chinnen und dem Zugang bei den Bauarbeitern ist zwar ebenfalls deutlich (fast der doppelte Aufwand im ersten Fall), darf aber bei der Ungenauigkeit der Sch\u00e4tzwerte nicht \u00fcberbewertet werden.<\/p>\n<p><strong>Alltagsn\u00e4he:<\/strong> Zwischen den drei Zug\u00e4ngen bestehen deutlich Unterschiede dahingehend, wie direkt bzw. indirekt der Kontakt mit direkt im Arbeitsprozess stehenden Personen war. Sie lassen sich in dieser Hinsicht in eine klare Reihenfolge bringen (von rechts nach links in der Tabelle unten). Am schlechtesten schneidet unter diesem Gesichtspunkt das Projekt mit den Kochfachlehrern ab. Am direktesten war der Kontakt im Fall der Bauarbeiter, wo sich auch \u00fcber die Dauer des Kurses eine gemeinsame Sprache und ein an vielen Beispielen \u00fcberpr\u00fcftes gemeinsames Verst\u00e4ndnis der Situationen herausbilden konnten. Der Vorteil dieses Zuganges liegt dabei auch darin, dass eine Beschreibung entwickelt werden konnte, von der sicher ist, dass sie sowohl von potentiellen Kursteilnehmenden wie auch von potentiellen Kursleitern verstanden wird. Dies ist beispielsweise bei den K\u00f6chen und K\u00f6chinnen nicht garantiert. Wie die bisherigen Umsetzungsversuche gezeigt haben, k\u00f6nnen l\u00e4ngst nicht alle Kochfachlehrenden mit den ausgearbeiteten Beschreibungen etwas anfangen.<\/p>\n<table border=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"102\"><b>\u00a0<\/b><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"171\">\n<p align=\"center\"><b>Koch\/K\u00f6chin<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"171\">\n<p align=\"center\"><b>Rangierarbeiter<\/b><\/p>\n<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"171\">\n<p align=\"center\"><b>Bauarbeiter<\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"102\"><b>St\u00e4rken<\/b><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"171\">Normative Komponente (\u201edas w\u00e4re eigentlich gute Praxis, auch wenn sich das selten beobachten l\u00e4sst\u201c)<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"171\">Strukturierung in Situationen vollst\u00e4ndig durch direkt Betroffene; Liste der Ressourcen durch direkt Betroffene<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"171\">Normative Komponente durch den Bauf\u00fchrer; Pr\u00e4zisierung der Situationen und der Ressourcen durch die direkt betroffenen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"102\"><b>Schw\u00e4chen<\/b><\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"171\">Keine direkte Kontrolle, ob die Beschreibungen tats\u00e4chlich einer (guten) realen Praxis entsprechen<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"171\">Nur verbale Beschreibungen der Situationen; keine Kontrolle, wie weit dadurch die realen Situationen \u201egesch\u00f6nt\u201c werden<\/td>\n<td valign=\"top\" width=\"171\">Unklar, ob und wo sich die Kurssituation substantiell von der realen Situation auf der Baustelle unterschiedet<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>Gesamthafte Bewertung:<\/strong> Ist das Hauptziel, einen m\u00f6glichst alltagsnahen Eindruck von den notwendigen mathematischen Kompetenzen in einem bestimmten Arbeitsfeld zu erhalten, dann d\u00fcrfte der Zugang \u00fcber einen bedarfsorientierten Kurs, so wie er bei den Bauarbeitern gew\u00e4hlt wurde, der interessanteste sein.<\/p>\n<ul>\n<li>Der Zusatzaufwand, den die Quellen \u00fcber die Durchf\u00fchrung des Kurses hinaus f\u00fcr die Erarbeitung der Kompetenzen leisten m\u00fcssen, ist sicher nicht gr\u00f6sser als bei den beiden anderen Zug\u00e4ngen.<\/li>\n<li>Der Kontakt mit aktiv im Berufsleben stehenden Personen ist am direktesten und erstreckt sich \u00fcber eine relativ lange Zeit, so dass allf\u00e4llige Missverst\u00e4ndnisse etc. eine Chance haben, abgebaut zu werden.<\/li>\n<li>Und wenn die Kompetenzen sowieso als Grundlage f\u00fcr Aus- oder Weiterbildungsmassnahmen erhoben werden, entsteht auf diesem Weg gleich noch ein massgeschneiderter Kurs.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ausf\u00fchrlicher als pdf Problemstellung Unterricht an den Berufsfachschulen macht nur Sinn, wenn dieser einen klaren Bezug zur beruflichen Praxis im jeweiligen Berufsfeld hat. 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