{"id":1610,"date":"2013-05-02T14:09:56","date_gmt":"2013-05-02T13:09:56","guid":{"rendered":"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=1610"},"modified":"2015-04-01T13:34:32","modified_gmt":"2015-04-01T12:34:32","slug":"berufliche-berechnungssituationen-sammeln","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/leitfaden\/berufliche-berechnungssituationen-sammeln\/","title":{"rendered":"Berufliche Berechnungssituationen sammeln"},"content":{"rendered":"<p>Will man das Fachrechnen konsequent auf den tats\u00e4chlichen beruflichen Alltag ausrichten, muss man als erstes wissen, wo in diesem Alltag was und wie gerechnet wird.<\/p>\n<p>Es hat sich bew\u00e4hrt, zu diesem Zweck eine Liste von Situationen zusammenzustellen, die im beruflichen Alltag immer wieder auftreten und in denen gerechnet wird. So eine Situation k\u00f6nnte sein: &#8222;Amir und Beat sind dabei, den Garagenvorplatz an der Talstrasse 12 mit einem neuen Belag zu versehen. Der Belag soll 4 cm dick werden. Sie vermessen zusammen grob den trapezf\u00f6rmigen Vorplatz und berechnen dann auf Grund dieser Masse und mit Hilfe des Taschenrechners, wie viele Tonnen Belag sie ben\u00f6tigen. Diesen bestellen sie anschliessend beim Werk.&#8220;<br \/>\n<a name=\"quellen\"><\/a><\/p>\n<h2>M\u00f6gliche Quellen<\/h2>\n<p>Bildungspl\u00e4ne und bestehende Lehrmittel sind nur begrenzt taugliche Quellen f\u00fcr eine Sammlung von echten beruflichen Berechnungssituationen. Sie sind oft das Produkt von Traditionen, die weit zur\u00fcckreichen und deren Wurzeln nicht einfach<br \/>\nauszumachen sind.<\/p>\n<pre>Eine Ausnahme stellen Bildungspl\u00e4ne dar, die nach der\r\nKompetenzen-Ressourcen-Methode geschrieben sind\r\n(vgl. <a title=\"Situierte Kompetenzen\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=40\">Situierte Kompetenzen<\/a>). \r\nDie in diesen Pl\u00e4nen enthaltenen Situationen (nicht \r\ndie Ressourcen!) k\u00f6nnen einen n\u00fctzlichen Ausgangspunkt\r\ndarstellen, indem man innerhalb dieser Situationen \r\nnach Teilsituationen sucht, in denen gerechnet wird.<\/pre>\n<p>Ebenfalls nur begrenzt hilfreich ist es, direkt in Betrieben Arbeitsabl\u00e4ufe zu beobachten oder erfahrene Berufsleute zu befragen. Berechnungen im beruflichen Alltag sind typischerweise nahtlos in Handlungsabl\u00e4ufe integriert. Sie sind nur schwer beobachtbar und werden kaum als isolierbarer Teilschritt wahrgenommen.<\/p>\n<p>Die n\u00fctzlichste Quelle scheinen Lehrpersonen zu sein, die erst vor einigen Jahren aus der beruflichen Praxis an eine Berufsfachschule gewechselt haben. Einerseits sind ihre Erinnerungen an den beruflichen Alltag noch frisch und geben mit hoher Wahrscheinlichkeit die aktuelle Praxis wieder. Andererseits waren sie, um ihren Unterricht vorbereiten zu k\u00f6nnen, gezwungen, explizit \u00fcber diese Praxis nachzudenken.<\/p>\n<p>Ideal ist eine Gruppe von drei bis vier Lehrpersonen, welche die diesem Leitfaden zugrunde liegende Haltung teilen und auch bereit sind, selbstkritisch ihre vorhandenen \u00dcberzeugungen zu hinterfragen.<\/p>\n<h2>M\u00f6gliche Bereiche<\/h2>\n<p>Da Berechnungen, wie bereits erw\u00e4hnt, oft nahtlos in Handlungsabl\u00e4ufe integriert sind, ist es nicht einfach, alle Situationen aufzusp\u00fcren, in denen Berechnungen eine Rolle spielen. Hilfreich ist es, wenn man \u00fcber ein Suchraster verf\u00fcgt, das hilft zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob man an alles gedacht hat.<\/p>\n<p>Eine n\u00fctzliche Hilfe ist folgende <a title=\"Deskriptoren f\u00fcr alltagsmathematische Anforderungen\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=1916\">Liste von Deskriptoren<\/a>. Jeder Deskriptor beschreibt eine &#8222;mathematische&#8220; Anforderung, die sich aus einer konkreten beruflichen Handlungssituation ergeben kann.<\/p>\n<pre>- Alphanumerische Codes entziffern (Zimmernummern, \r\n  Artikelnummern, \u2026).\r\n- Geometrische Darstellungen lesen.\r\n- Wertetabellen lesen.\r\n- Graphiken lesen.\r\n- Unterschiedliche numerischer Konzepte verstehen, \r\n  so wie sie im Arbeitskontext relevant sind.\r\n- Daten notieren als Resultat von Beobachtungen oder \r\n  Messungen am Arbeitsplatz.\r\n- Geometrische Darstellungen erstellen (Skizzen, Pl\u00e4ne).\r\n- Einfache Berechnungen f\u00fcr bestimmte Aufgaben am \r\n  Arbeitsplatz ausf\u00fchren.\r\n- Sich im Raum und der Zeit orientieren \r\n (Pl\u00e4ne, Karten, Arbeitspl\u00e4ne, Fahrpl\u00e4ne, \u2026).\r\n- Zeitliche Abl\u00e4ufe planen.\r\n- Raumzeitliche Abl\u00e4ufe planen.\r\n- Sich abzeichnende Trends erkennen.\r\n- Unterschiedliche Messungen durchf\u00fchren.<\/pre>\n<h2>Vorgehen<\/h2>\n<p>Idealerweise organisiert man als Einstieg einen zeitlich gut bemessenen Workshop (mindestens vier Stunden) mit den als Quellen geeigneten Personen. Ben\u00f6tigt werden ausreichend Flipchart-Bl\u00e4tter und viel Platz, um diese aufzuh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Die Teilnehmenden sollten all ihre Unterlagen mitbringen : Bildungsplan, Lehrmittel, alte Pr\u00fcfungen etc. Diese Unterlagen eigenen sich zwar nicht als direkte Quellen f\u00fcr Situationen, sie k\u00f6nnen aber eingesetzt werden, um die entstehende Sammlung (kritisch) auf Vollst\u00e4ndigkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Gemeinsam geht man dann in Gedanken einen typischen Arbeitstag, eine typische Arbeitswoche oder gar einen typischen Jahresverlauf durch. Welche Einheit man w\u00e4hlt, h\u00e4ngt davon ab, in welchen Zeitabst\u00e4nden sich beim betrachteten Beruf die Aktivit\u00e4ten wiederholen. Bei diesem ersten Durchlauf versucht man, der Reihe nach eine Liste von typischen Situationen zusammenzustellen, bei denen &#8222;mathematische&#8220; \u00dcberlegungen eine Rolle spielen. F\u00fcrs erste gen\u00fcgt es, zu jeder Situation einen sprechenden Titel festzuhalten (beispielsweise &#8222;Belag bestellen&#8220;), der alle Beteiligten an die gemeinsam besprochene Situation erinnert. Selten werden mehr als 10 bis 20 solcher Situationen ben\u00f6tigt, um das ganze Spektrum der typischen Aktivit\u00e4ten eines Berufes abzudecken. Dieser Schritt ben\u00f6tigt gut eine Stunde oder auch etwas mehr Zeit.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes wird f\u00fcr jede der gefundenen Situationen der entsprechende Titel auf ein Flipchart-Blatt \u00fcbertragen und jede der teilnehmenden Personen \u00fcbernimmt es, einige dieser Situationen n\u00e4her zu umschreiben. Je nach Anzahl gefundener Situationen und beteiligter Personen dauert dieser Abschnitt bis zu einer guten Stunde.<\/p>\n<p>Die Bl\u00e4tter werden dann m\u00f6glichst alle rund herum im Raum aufgeh\u00e4ngt und die Situationsbeschreibungen der Reihe nach gemeinsam besprochen, modifiziert und erg\u00e4nzt. Ziel ist es, eine Reihe von Beschreibungen zu haben, die von allen als Beschreibungen von real regelm\u00e4ssig auftretenden typischen Situationen akzeptiert werden. Diese Diskussionen ben\u00f6tigen bis zu zwei Stunden Zeit.<\/p>\n<p>Als Letztes geht es darum, allf\u00e4llige L\u00fccken bzw. fehlende Situationen aufzusp\u00fcren. Jede der anwesenden Personen \u00fcbernimmt es, eine oder mehrere der mitgebrachten Unterlagen (Bildungsplan, Lehrmittel etc.) durchzugehen und zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob in diesen Unterlagen allenfalls noch die eine oder andere (real vorkommende!) Situation angesprochen wird, die bisher vergessen ging. Allf\u00e4llig Vorschl\u00e4ge f\u00fcr solche weiteren Situationen werden gemeinsam besprochen und wenn n\u00f6tig gleich wie die bereits erfassten Situationen ausgearbeitet.<\/p>\n<h2>Hintergrund<\/h2>\n<ul>\n<li><a title=\"Mathematik am Arbeitsplatz aufsp\u00fcren: Drei Fallstudien\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=1889\">Mathematik am Arbeitsplatz aufsp\u00fcren: Drei Fallstudien<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Alle Situationen finden\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/berechnungssituationen\/alle-situationen-finden\/\">Alle Situationen finden<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Deskriptoren f\u00fcr alltagsmathematische Anforderungen\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=1916\">Deskriptoren f\u00fcr alltagsmathematische Anforderungen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>Beispiele<\/h2>\n<ul>\n<li><a title=\"Mitarbeitende im Tiefbau\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/beispiele\/tiefbau\/\">Mitarbeitende im Tiefbau<\/a><\/li>\n<li><a title=\"K\u00f6chinnen und K\u00f6che\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/beispiele\/kueche\/\">K\u00f6chinnen und K\u00f6che<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Milchtechnologinnen und Milchtechnologen\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/beispiele\/milchverarbeitung\/\">Milchtechnologinnen und Milchtechnologen<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Haustechnik\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/vom-kopf-auf-die-fuesse\/beispiele\/haustechnik\/\">Haustechnik<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a title=\"Berufliche Berechnungssituationen beschreiben\" href=\"http:\/\/hrkll.ch\/WordPress\/?page_id=1640\">weiter<\/a>&gt;&gt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Will man das Fachrechnen konsequent auf den tats\u00e4chlichen beruflichen Alltag ausrichten, muss man als erstes wissen, wo in diesem Alltag was und wie gerechnet wird. 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